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Habeck legt Maßnahmen zur Beschleunigung des Erdwärme-Ausbaus vor

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Robert Habeck (Archiv), via dts NachrichtenagenturBerlin (dts Nachrichtenagentur) – Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat Maßnahmen zur Beschleunigung des Erdwärme-Ausbaus in Deutschland vorgelegt. Einen entsprechenden Gesetzentwurf habe das Bundeswirtschaftsministerium (BMWK) am Donnerstag zur Anhörung an die Bundesländer und Verbände verschickt, berichtet die „Mediengruppe Bayern“.

Aus einem Pressepapier des BMWK geht demnach hervor, dass Genehmigungsverfahren sowohl für tiefe Geothermie (ab 400 Meter Bodentiefe) als auch für oberflächennahe Geothermie (bis 400 Meter) vereinfacht werden sollen.

„Wie auch bei Windenergieanlagen und PV-Anlagen werden daher auch Anlagen zur Gewinnung von Geothermie, Wärmepumpen und Wärmespeichern mit einem überragenden öffentlichen Interesse ausgestattet“, heißt es in dem Papier. Zur Beschleunigung der teils Jahre dauernden Verfahren plant Habeck etwa die „Einführung von Höchstfristen für Genehmigungsverfahren im Bergrecht, zum Beispiel muss die Behörde innerhalb eines Jahres über die Genehmigung entscheiden“.

Die bergrechtliche Kontrolle von Tiefengeothermie-Projekten soll „durch längere Zeitintervalle (alle 4 bis 8 Jahre) von Betriebsplänen“ vereinfacht werden. Zudem sollen Verfahren durch eine „Verkürzung des Instanzenzuges“ Rechtsmittelverfahren beschleunigt werden. Wie auch beim Ausbau der Windkraft etwa sollen Einsprüche oder Widersprüche gegen behördliche Entscheidungen das Projekt nicht mehr grundsätzlich verzögern können. Das Ministerium spricht vom „Entfallen der aufschiebenden Wirkung von Rechtsbehelfen“. Auch im Naturschutzrecht sollen klare Regelungen für die seismische Erkundung verankert werden.

Doch nicht nur die Tiefengeothermie soll einen Schub bekommen: Auch die Genehmigungsmaßnahmen für oberflächennahe Geothermie, mit der über Wärmepumpen auch Einfamilienhäuser über Erdwärme versorgt werden können, sollen vereinfacht werden. Als ersten Schritt zur Beschleunigung der Genehmigungsmaßnahmen erklärt das Ministerium in dem Papier, dass mit dem Bürokratieabbaugesetz bereits klargestellt worden sei, „dass die oberflächennahe Geothermie nicht in den Anwendungsbereich des Bergrechts fällt“. Im Wasserrecht soll zudem auf die Erlaubnis für kleine Grundwasserwärmepumpen und Erdwärmekollektoren für Privathaushalte verzichtet werden.

Ziel des Ministeriums ist es, Geothermie als dritte Säule der klimafreundlichen Energiegewinnung zu etablieren und deutschlandweit nutzbar zu machen. Laut Ministerium könnte „rund ein Viertel der Wärme in Deutschland unter bestimmten Bedingungen mithilfe tiefengeothermischer Systeme erzeugt werden“.


Foto: Robert Habeck (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

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Spahn verteidigt Vorgehen bei Corona-Masken-Beschaffung

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Jens Spahn am 27.06.2024, via dts NachrichtenagenturBerlin (dts Nachrichtenagentur) – Der frühere Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat sein Vorgehen bei der Beschaffung von Corona-Masken gegen Kritik verteidigt. Er frage sich, ob seine Kritiker vergessen hätten, wie die Lage damals gewesen sei, sagte er am Donnerstag im Bundestag in einer Aktuellen Stunde zur Aufarbeitung der Corona-Masken-Beschaffung.

„Es war in der ersten Welle Chaos auf der ganzen Welt“, so Spahn. Dabei habe „maximale Unsicherheit“ vorgeherrscht, wobei es weltweit auf einmal eine hohe Nachfrage nach Masken gegeben habe. Der größte Exporteur China habe auf einmal nicht mehr exportiert. „Es ging um Menschenleben“, fügte der CDU-Politiker hinzu. Die Beschaffung sei zwar teuer und „teilweise chaotisch“ gewesen, aber man habe Vorsorge treffen müssen in einer solchen Situation.

Die Debatte über die Klagen von Maskenherstellern, deren Masken wegen Qualitätsmängeln vom Ministerium abgelehnt wurden, verstehe er nicht, so Spahn weiter. „Es geht um Masken, die in schlechter Qualität angeliefert worden sind und die nicht angenommen worden sind.“ Die Klagen der Unternehmen seien ihr gutes Recht, aber man habe nicht „für Masken schlechter Qualität“ zahlen können, so der CDU-Politiker.

Der aktuelle Streitwert der Masken-Klagen beträgt 2,3 Milliarden Euro.


Foto: Jens Spahn am 27.06.2024, via dts Nachrichtenagentur

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Rufe nach Konsequenzen in Migrationspolitik wegen Gewalttat in NRW

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Asylunterkunft (Archiv), via dts NachrichtenagenturBad Oeynhausen (dts Nachrichtenagentur) – Nach dem gewaltsamen Tod eines 20-Jährigen in Bad Oeynhausen fordert der Bürgermeister der nordrhein-westfälischen Stadt, Lars Bökenkröger (CDU), Konsequenzen in der Migrationspolitik. „Der Tod des jungen Mannes hier bei uns in Bad Oeynhausen ist kein Einzelfall“, sagte Bökenkröger den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Freitagsausgaben). „Zuletzt hat uns der Messerangriff von Mannheim erschüttert. Darüber müssen wir offen diskutieren und Konsequenzen ziehen.“

Die Polizei hat einen 18-jährigen Tatverdächtigen festgenommen, bisher offiziell nicht bestätigten Medienberichten zufolge soll es sich um einen syrischen Staatsbürger handeln. „Wer bei uns Menschen umbringt, muss Deutschland verlassen“, forderte Bökenkröger. Das seien aber Entscheidungen, die auf der Bundesebene endlich getroffen werden müssten. „Die Probleme der Migration dürfen nicht auf den Kommunen abgewälzt werden. So wie bisher kann es nicht weitergehen.“

Aufgrund der Berichte über den Hintergrund des Täters sei die Stimmung „teilweise aggressiv“, sagte der CDU-Politiker den Funke-Zeitungen weiter. „Das sehe ich auch, wenn ich einen Blick in mein Mailpostfach werfe und die Zuschriften lese, die ich in den letzten Tagen bekommen habe. Das ist schon heftig, wie sich die Stimmung geändert hat, nicht nur hier, sondern im ganzen Land.“

Der Tatverdächtige wurde am Mittwoch in Bad Oeynhausen festgenommen. „Bei den Menschen in meiner Stadt herrschen Fassungslosigkeit und tiefe Trauer“, so Bürgermeister Bökenkröger weiter. Die Bürger beschäftige die Gewalttat und der Tod des jungen Mannes sehr. „Wir sind eine Kurstadt mit vielen Besuchern von außerhalb, so etwas kennen wir eigentlich gar nicht.“


Foto: Asylunterkunft (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

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Bericht: Esken will Bundestag doch noch nicht 2025 verlassen

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Saskia Esken (Archiv), via dts NachrichtenagenturBerlin (dts Nachrichtenagentur) – Entgegen ihrer ursprünglichen Ankündigung will SPD-Chefin Saskia Esken offenbar den Bundestag nicht 2025 verlassen und stößt damit in ihrem Landesverband auf Kritik. Esken will sich im kommenden Jahr erneut um ein Bundestagsmandat im baden-württembergischen Wahlkreis Calw-Freudenstadt bemühen, wie die „Süddeutsche Zeitung“ (Freitagausgabe) berichtet. Vor vier Jahren hatte sie der SZ gesagt, sie kandidiere 2021 noch einmal für eine dritte Legislaturperiode im Bundestag, aber „danach bin ich raus“.

Im Willy-Brandt-Haus wird die Kehrtwende mit den großen Herausforderungen für die Kanzlerpartei begründet, die gerade bei der Europawahl mit 13,9 Prozent ein historisch schlechtes Ergebnis eingefahren hat. Da gelte es, Verantwortung zu tragen.

In ihrem Bundestagswahlkreises im Nordschwarzwald gibt es Kritik an Eskens Kehrtwende. Manfred Stehle, Mitglied im SPD-Kreisverband Calw, wirft seiner Bundesvorsitzenden und Wahlkreisabgeordneten „klaren Wortbruch“ vor. „Saskia Esken beschädigt damit nicht nur ihre persönliche Glaubwürdigkeit, sondern sie schadet auch der SPD, für die sie als deren Co-Vorsitzende eine besondere Verantwortung trägt“, sagte er der Zeitung.

Stehle war während der letzten SPD-Regierungsbeteiligung in Baden-Württemberg von 2011 bis 2016 Amtschef in zwei SPD-geführten Ministerien, erst im Integrations-, dann im Kultusressort.

Esken führt die Sozialdemokraten in einer Doppelspitze seit 2019, erst mit Norbert Walter-Borjans, seit 2021 mit Lars Klingbeil. Ihre Ergebnisse im baden-württembergischen Wahlkreis Calw gewann sie noch nie direkt. Bei der Bundestagswahl 2021 landete sie mit 17,2 Prozent weit abgeschlagen hinter dem CDU-Wahlkreisgewinner Klaus Mack. Die Digital- und Bildungsexpertin gehört dem Deutschen Bundestag als Abgeordnete seit 2013 an.


Foto: Saskia Esken (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

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Pure Freiheit

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privates Hideaway

Wenn es Sommer wird im Benglerwald, dann gehen Genießer mit der Ruhe und der Natur auf Tuchfühlung. Oberhalb des Lechs, auf 1.200 Metern Höhe, liegt das traumhafte Sonnenplateau. Umringt von Bergen und Gipfeln, gesegnet mit einer imposanten Aussicht, gilt der Benglerwald als einer der schönsten Plätze im Tiroler Lechtal.

In diese naturgegebene Kulisse schmiegen sich die Benglerwald Berg Chalets – ein paar wenige Hideaways, die den Bergsommer zur Luxuszeit in Privatsphäre machen. Die kleine, feine Genussmanufaktur im Benglerwald Chaletdorf trifft die Geschmäcker der Feinschmecker. Der kristallklare Bergsee ist der erfrischende Naturbadeplatz an der Sonne. 15.000 m² Freiraum, um die Seele baumeln zu lassen, erwarten die Gäste im Benglerwald Berg Chaletdorf.

Hüttencharme der exklusiven Sorte

Ein Luxus-Chalet in den Bergen mit Fünf-Sterne-Service, das dürfen Gäste des Benglerwald Berg Chaletdorf erwarten. Chalets mit Fitness-Area, ein Liebes-Chalet für romantische Urlaube in trauter Zweisamkeit, ein komplett eingezäuntes Hunde-Chalet, ein Familien-Chalet und andere höchst-komfortable Refugien stehen in der atemberaubenden Bergwelt des Lechtals zur Verfügung. Wellness ist Privatsache. Jedes Chalet bietet ein Spa-Deluxe mit Hot Pot und Sauna, Wohlfühlwanne und Wellness-Dusche, Fitness- und Yoga-Set. Am Morgen kommt das frische Almfrühstück „frei Haus“ ans Chalet.

Gäste haben die Möglichkeit, in der Genussmanufaktur ihre lokalen Leckereien einzukaufen. Ein- bis zweimal in der Woche bereiten die Gastgeber in der Genussmanufaktur ein köstliches Tiroler Gericht zu, das für Genießer dann im privaten Chalet erlebbar ist. Für eine erlesene Bier- und Weinauswahl im Chalet ist gesorgt. Vollausgestattete Küchen, ausgezeichnete Betten, eine offene Feuerstelle und ein Kamin oder Effektfeuer, Smart-Home-Ausstattung und freies WLAN zeugen von der Exklusivität der Chalets in purer Natur.

Bergsommer, soweit das Auge reicht (… und die Füße tragen)

Die Lechtaler und Allgäuer Alpen gehören zu den schönsten Bergwelten des Alpenraums. Selten gibt es eine Region mit einem derart umfangreichen und abwechslungsreichen Wanderangebot wie das Lechtal. Der Genusswanderer kann sich an der herrlichen Naturschönheit des europäischen Weitwanderweges, des Lechwegs, erfreuen und der hochalpine Wanderer hat mit dem Teilstück des Adlerwegs, das durch die Naturparkregion Lechtal führt, seine wahre Freude. Von Juni bis Oktober hat man am besten die Aktiv Card in der Tasche.

Sie beinhaltet kostenlose und vergünstigte Leistungen kreuz und quer durch die Naturparkregion. So ist damit u.a. auch die Bergbahn Jöchelspitze direkt am Chaletdorf und der praktische Wanderbus gratis. Andere wieder sind lieber mit dem Bike unterwegs oder bezwingen mit Seil und Haken den Felsen. E-Bikes werden direkt an das Chalet geliefert. Auf dem Lech – dem letzten Wildfluss Europas – fühlen sich Einsteiger, Familien und Naturliebhaber beim Rafting und Kayaking wohl. Die Natur ist einer der besten Plätze, um zu entspannen und zu sich zu finden, der Benglerwald ein Refugium, in dem es ein bisschen ruhiger zugeht als anderswo, wo die Bergkräuter duften und Erholung eine neue Dimension erfährt.

Benglerwald Berg Chaletdorf
Mountain Management GmbH
Bach 69
6653 Bach im Lechtal
Tel.: +43 5634 20 178
info@benglerwald.at
http://www.benglerwald.at

Bildcredit Fotograf: Ratko Photography

Quelle mk Salzburg

Was sich durch die EU-Mehrwertsteuerreform ViDA verändert

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EU-Mehrwertsteuerreform
Bilder: Oliver Hochstrasser / www.oliverhochstrasser.ch

Die Digitalisierung verändert viele Lebensbereiche – darunter auch die Art, wie wir Steuern zahlen. Dabei spielt die ViDA (VAT in The Digital Age, also die Mehrwertsteuer im digitalen Zeitalter) eine wichtige Rolle für Unternehmen. Diese EU-Richtlinie wird jedes Unternehmen betreffen. Dieser Artikel erklärt, warum sich CFOs, Finanzfachleute und Buchhalter mit ihr beschäftigen sollten. Denn die EU-Mehrwertsteuerreform betrifft alle Unternehmen mit Kunden in der EU – manche früher, manche später. Sie gilt auch für Online-Marktplätze oder andere Plattformen, die zwischen Käufern und Verkäufern vermitteln – unabhängig davon, ob sie selbst in der EU tätig sind oder nicht. Firmen, die noch keine elektronischen Rechnungen empfangen oder senden, sollten ihre Prozesse bald umstellen, um die neuen Vorschriften zu erfüllen.

Notwendiges Projekt der EU-Kommission

Die ViDA-Initiative der EU-Kommission modernisiert das bestehende europäische Mehrwertsteuersystem. Es geht um die schnellere und transparentere Übertragung meldepflichtiger Daten (etwa Online-Transaktionen mit Kunden in der EU) nahezu in Echtzeit. So stellt die EU sicher, dass es einen gerechten Prozess zur Erhebung der Umsatzsteuer gibt, der Unternehmen inner- und außerhalb der europäischen Gemeinschaft gleichermaßen fair besteuert. Denn das alte Mehrwertsteuersystem eignet sich nicht mehr für die wachsenden Ansprüche, wenn es beispielsweise um die Regulierung und Erhebung von Umsatzsteuer aus Online-Transaktionen geht. Diese Transaktionsart ist vergleichsweise neu. Das alte Mehrwertsteuersystem ist zudem anfällig für Mehrwertsteuerbetrug, weil erst Monate nach dem Übermitteln der Transaktionsdaten eine Überprüfung stattfindet. Eine so lange Zeitspanne ist prädestiniert für Steuerhinterziehungen. So entgingen den EU-Mitgliedsstaaten im Jahr 2020 Mehrwertsteuereinnahmen in Höhe von rund 99 Milliarden Euro und 61 Milliarden Euro im Jahr 2021. Das zeigt ein Bericht der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2023.

Konkrete Auswirkungen auf Firmen

Die ViDA-Reform betrifft die elektronische Rechnungsstellung samt digitaler Berichterstattung, die einheitliche Mehrwertsteuererklärung für den EU-weiten Handel sowie die Plattformökonomie. Wer aber wirklich verstehen möchte, welche Auswirkungen ViDA auf sein Unternehmen hat, muss sich auf die elementaren Prozesse beziehen: Rechnungsstellung, Berichterstattung, Rechnungsprüfung und Umsatzsteuerregistrierung.

Rechnungsstellung: Die ViDA soll die Verbreitung der elektronischen Rechnungsstellung in der EU so beschleunigen, dass sie die meisten Firmen bis 2028 nutzen. Die jeweiligen Regierungen der Mitgliedstaaten stellen durch entsprechende E-Invoicing-Mandate die schnelle Umsetzung sicher. In Deutschland gelten elektronische Rechnungen im B2B-Bereich ab 2026 als verpflichtend.

Berichterstattung: Die ViDA-Reform sieht die Einführung von Digital Reporting Requirements (DRRs) vor, also digitale Meldepflichten. Wer im innergemeinschaftlichen B2B-Waren- und Dienstleistungsverkehr tätig ist, muss ab 2028 jede Transaktion innerhalb von zwei Werktagen nach Rechnungsstellung digital melden.

Umsatzsteuerregistrierung: Es soll ein einheitliches System für die Umsatzsteuerregistrierung in der EU entstehen. Das eröffnet Firmen, die grenzüberschreitende Geschäfte innerhalb der EU tätigen, die Möglichkeit, alle Umsatzsteuervorschriften über ein einziges Portal in einer einheitlichen Sprache zu erfüllen. Der sogenannte Import-One-Stop-Shop (IOSS) soll die Einhaltung dieser Vorschriften vereinfachen und vereinheitlichen.

Rechnungsprüfung: Bei entsprechender Umsetzung ebnet die ViDA-Initiative den Weg für effizientere und genauere Prüfungen. Durch den Zugriff auf Echtzeit-Transaktionsdaten gelingt es den Steuerbehörden, Steuerbetrug leichter und schneller aufzuklären.

Zeitplan für die ViDA-Einführung und Verzögerungen

Die Einführung erfolgt Schritt für Schritt, die meisten Änderungen passieren zwischen Januar 2025 und Dezember 2027. Es soll – abhängig von Unternehmensgröße und Transaktionsvolumen – zunächst entsprechende Pilotprogramme und Einführungsphasen mit Fristen geben. Ab dem 1. Januar 2025 wird der Import-One-Stop-Shop um unterschiedliche B2C-Warenlieferungen erweitert. Das betrifft zum Beispiel Waren, die eine Installation und Montage erfordern. Die überarbeitete Regelung umfasst auch den grenzüberschreitenden Warenverkehr und macht die Anwendung des IOSS für bestimmte Umsätze verbindlich. Heute ist der Import-One-Stop-Shop für Unternehmen noch freiwillig. Drei Jahre nach der ersten Frist, also am 1. Januar 2028, müssen Firmen alle B2B-Transaktionen innerhalb der EU innerhalb von zwei Geschäftstagen ab Rechnungsdatum melden. Bisher waren 45 Tage Zeit. Ab diesem Datum kommt niemand mehr um die elektronische Rechnungsstellung gemäß EN 16931 für innergemeinschaftliche Warenlieferungen herum.

Es gibt aber ein großes Aber: Der ursprüngliche Zeitplan der ViDA-Umsetzung lässt sich voraussichtlich nicht einhalten. Die Unterzeichnung der Reform erfolgt erst 2024 – zu spät, um die Frist auf 2028 setzen zu können. Denn die Unternehmen benötigen für die Einführung der elektronischen Rechnungsstellung und digitalen Berichterstattung schließlich ausreichend Zeit. Deshalb wird sich die Frist auf 2030 oder 2032 verschieben, wodurch die neuen Fristen für die Umsatzsteuerregistrierung ebenfalls auf wackeligen Beinen stehen. Für Plattformen, die den Verkauf von geringwertigen Gütern in der EU erleichtern, gibt es bereits eine Fiktiver-Liefer-Verordnung. Diese geht davon aus, dass Plattformen selbst die Waren erhalten und weiterleiten. Eine einfache B2C-Lieferung wird dadurch steuerrechtlich in zwei Teile aufgeteilt – vom Verkäufer an die Plattform und von der Plattform an den Käufer.

Die größten ViDA-Vorteile

Für die Einhaltung der ViDA-Anforderungen ist es für Unternehmen einfacher und kostengünstiger, externe Software für die elektronische Rechnungsstellung einzusetzen. Selbst ohne Pflicht hätte ViDA viele Vorteile für Unternehmen, Behörden und die Öffentlichkeit. Die hohen Kosten und Anforderungen mögen auf den ersten Blick abschreckend wirken, doch langfristig profitieren alle von ViDA. Ein weiterer Grund, sich mit einer ganzheitlichen Ausgabenmanagement-Lösung auseinanderzusetzen.

Firmen freuen sich über einheitliche Prozesse und geringere manuelle Aufwände, also über mehr Effizienz. Die Digitalisierung der Mehrwertsteuerprozesse führt zu einer geringeren Fehleranfälligkeit und somit zu erheblichen Kosteneinsparungen. Die Steuerbehörden können künftig in Echtzeit auf Transaktionsdaten zugreifen und profitieren so von mehr Transparenz und Effizienz in ihren Abläufen. Gleichzeitig sinkt das Risiko für Steuerbetrug deutlich. Durch den Anstieg der Mehrwertsteuereinnahmen durch die ViDA-Einführung stehen den Regierungen zusätzliche Mittel für öffentliche Projekte im Straßenbau oder Gesundheitswesen zur Verfügung. So haben alle Steuerzahler etwas von der Initiative.

Autor Thomas Inhelder, Mitgründer & CFO von Yokoy

Thomas Inhelder ist Mitgründer und CFO von Yokoy, einem Anbieter einer KI-gesteuerten Ausgabenmanagement-Plattform für Unternehmen. Vor der Gründung von Yokoy sammelte er in verschiedenen Führungspositionen und als CPA-zertifizierter Finanzprüfer bei KPMG umfangreiche Erfahrungen in der Finanz- und Beratungsbranche sowie in der SaaS-Industrie. Dabei erlebte Inhelder hautnah die Herausforderungen, mit denen Finanzabteilungen konfrontiert sind. Manuelle Prozesse führten immer wieder zu einem hohen Maß an Frustration in seinen Teams. Dies und seine Leidenschaft für die Digitalisierung und Automatisierung von Finanzprozessen und die Vereinfachung des Arbeitsalltags der Mitarbeiter bewegten ihn dazu, Yokoy mitzugründen. Seine Leidenschaft dafür treibt ihn auch heute noch an.

Bilder: Oliver Hochstrasser / www.oliverhochstrasser.ch

Quelle messerPR – Public Relations

Hirschhausen drängt auf klare Richtlinien gegen Desinformation

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Eckart von Hirschhausen (Archiv), via dts NachrichtenagenturBerlin (dts Nachrichtenagentur) – Der Wissenschaftsjournalist und Fernsehmoderator Eckart von Hirschhausen hat klare Richtlinien gegen Desinformation gefordert. „Wir brauchen im deutschen Justizsystem, aber auch auf europäischer Ebene, klare Richtlinien, wie wir dafür sorgen können, dass solche Fakes gelöscht werden, dass es einfacher wird, die Absenderschaft kenntlich zu machen“, sagte von Hirschhausen den TV-Sendern RTL und ntv am Donnerstag.

„Wir brauchen vor allen Dingen auch mehr Aufklärung darüber, was da auf uns zukommt. Denn wir stehen, fürchte ich, erst am Beginn einer ziemlich gefährlichen Entwicklung für unsere Demokratie, für die Gesellschaft, für die Gesundheit der Menschen“, so der Wirtschaftsjournalist. Hier sei das deutsche Justizsystem ebenso wie die Europäische Union gefordert, klare Regeln und Richtlinien zu schaffen.

Von Hirschhausen sieht sich derzeit mit einem Fake-Video konfrontiert, in dem sein Gesicht und eine falsche Stimme verwendet werden, um den Verkauf von vermeintlichen Abnehmpillen zu bewerben. „Dieses Video ist das dreisteste, was ich jemals gesehen habe“, sagte Arzt. „Aus einer alten TV-Sendung wird ein Dialog zwischen Markus Lanz und mir mit falschen Stimmen unterlegt und es wird suggeriert, ich würde Pillen verkaufen.“ Das Originalinterview drehte sich stattdessen um seine „Stiftung Gesunde Erde, gesunde Menschen“ und hatte nichts mit irgendwelchen Heilmethoden zu tun.

„Wenn etwas zu schön klingt, um wahr zu sein, ist es meistens auch nicht wahr“, warnte von Hirschhausen. Der Medienanwalt des Moderators ist zwar eingeschaltet, um gegen das Fake-Video vorzugehen, doch das erweist sich als schwierig, da die Betrüger ihre Spuren schnell verwischen können. Von Hirschhausen appelliert daher an alle, weiterhin dem zu vertrauen, was er selbst sagt. Er habe über Jahrzehnte jegliche kommerzielle Werbung abgelehnt, um seine Glaubwürdigkeit zu wahren. „Vertrauen Sie mir weiterhin, aber seien Sie vorsichtig bei Gesundheitsversprechen. Schauen Sie sich immer eine zweite Meinung an“, rät von Hirschhausen.


Foto: Eckart von Hirschhausen (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

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Bundesgerichtshof beschränkt Werbung mit dem Begriff "klimaneutral"

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Bundesgerichtshof (Archiv), via dts NachrichtenagenturBerlin (dts Nachrichtenagentur) – Unternehmen dürfen mit dem Begriff „klimaneutral“ nur dann werben, wenn in der Werbung selbst erläutert wird, welche konkrete Bedeutung diesem Begriff zukommt. Das entschied der für das Wettbewerbsrecht zuständige Erste Zivilsenat des Bundesgerichtshofs am Donnerstag.

Geklagt hatte der Verein „Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs“, in dem hunderte Verbände und Unternehmen Mitglied sind. Im konkreten Fall ging es um ein Unternehmen, das Produkte aus Fruchtgummi und Lakritz herstellt und auf den Produkten mit dem Begriff „klimaneutral“ warb. In einer Fachzeitung der Lebensmittelbranche behauptete der Hersteller, seit 2021 „alle Produkte klimaneutral“ zu produzieren.

Der Herstellungsprozess der Produkte des Unternehmens läuft laut Bundesgerichtshof jedoch nicht CO2-neutral ab. Stattdessen unterstützt der Hersteller über das private Unternehmen „Climate Partner“ Klimaschutzprojekte.

Die Klägerin hielt die Werbeaussage für irreführend. Man könne das so verstehen, dass der Herstellungsprozess selbst klimaneutral ablaufe. Zumindest müsse die Werbeaussage dahingehend ergänzt werden, dass die Klimaneutralität erst durch kompensatorische Maßnahmen hergestellt werde.

Das Landgericht hatte die Klage noch abgewiesen. Auch die Berufung der Klägerin war ohne Erfolg geblieben. Das Berufungsgericht war der Ansicht, die Leser der Fachzeitung verstünden den Begriff „klimaneutral“ im Sinne einer ausgeglichenen Bilanz der CO2-Emissionen.

Der Bundesgerichtshof widersprach nun: Die Reduktion und die Kompensation von CO2-Emissionen stellten keine gleichwertigen Maßnahmen zur Herstellung von Klimaneutralität dar. Die Reduktion sei unter dem Gesichtspunkt des Klimaschutzes vorrangig gegenüber der Kompensation. Daher sei eine Erläuterung des Begriffs „klimaneutral“ hier erforderlich.

Bei Werbung, die einen mehrdeutigen umweltbezogenen Begriff verwendet, müsse zur Vermeidung einer Irreführung regelmäßig bereits in der Werbung selbst erläutert werden, welche konkrete Bedeutung maßgeblich ist. Die Irreführung sei wettbewerblich relevant, weil die Bewerbung eines Produkts mit einer vermeintlichen Klimaneutralität für die Kaufentscheidung des Verbrauchers von erheblicher Bedeutung sei, so der Bundesgerichtshof. Er hat die Beklagte zur Unterlassung der Werbung und zur Erstattung vorgerichtlicher Abmahnkosten verurteilt.


Foto: Bundesgerichtshof (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

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Scholz wirbt im Handelsstreit mit China um Kompromissangebot

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Autoproduktion (Archiv), via dts NachrichtenagenturBerlin (dts Nachrichtenagentur) – Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat sich mit einem Kompromissangebot in den Streit zwischen der EU und China über die Verhängung von Zöllen auf chinesische Elektroautos eingeschaltet. Der Kanzler schlägt einen Deal vor, bei dem beide Seiten gleich hohe Zölle auf Autoimporte verhängen würden, wie das „Handelsblatt“ (Freitagausgabe) unter Berufung auf Regierungs- und EU-Kreise berichtet.

Die Rede ist davon, auf chinesische wie europäische Auto-Exporte jeweils einen einheitlichen Zoll von 15 Prozent zu erheben. Die exakte Höhe könne sich aber noch ändern.

Die für die europäische Handelspolitik zuständige EU-Kommission kennt den Kanzlerplan offenbarschon länger und stuft ihn als untauglich ein. Das Konzept sei „keine Option“, heißt es aus der Brüsseler Behörde. Im Umgang mit China gehe es nicht darum, die Zölle zwischen China und Europa anzugleichen, sondern faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen und chinesische Subventionen auszugleichen. Die EU will daher Zölle verhängen, deren Höhe sich nach den Beihilfen richtet, die chinesische Autohersteller kassieren.

Trotz der ablehnenden Reaktion der Kommission ist die Initiative des Kanzlers politisch bedeutsam. Sollten sich andere Länder den Deutschen anschließen, könnte die EU-Kommission so stark unter Druck geraten, dass die Behörde einlenken müsste. Die Tatsache, dass Scholz die geplanten EU-Zölle auf europäische Elektroautos vehement bekämpft, irritiert die Brüsseler Fachleute schon seit Wochen. „Scholz kennt kein anderes Thema mehr“, sagte ein EU-Vertreter der Zeitung zufolge. Die Kommission befürchtet, dass der Widerstand aus Berlin ihre Verhandlungsposition schwächt.

Die EU-Behörde warnt davor, dass China mit hochsubventionierten Elektroautos die europäischen Hersteller vom Markt drängt – so wie es in der Solarbranche bereits geschehen ist. Brüssel hat daher am 12. Juni vorläufige Ausgleichszölle auf alle Elektroautos angekündigt, die aus der Volksrepublik in die EU exportiert werden. Auch die deutschen Hersteller sind betroffen.


Foto: Autoproduktion (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

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Mein Weg zu Selbstbestimmung

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ayla isik hercareer

Ayla Işik, die eigentlich anders heißt, ist in einer streng muslimischen Familie aufgewachsen.

Über ihren Weg zu einem völlig selbstbestimmten Leben hat sie das Buch “Behauptet – Als Muslimin zwischen Sicherheit und Freiheit” geschrieben. Im Interview erzählt sie, wie es war, das Kopftuch nach mehr als 20 Jahren endgültig abzulegen, mit welchen Widerständen sie zu tun hatte und wie sie ihren Glauben heute lebt.

Ayla Isik: Mein Glaube ist eine persönliche Angelegenheit. Er gibt mir Kraft, Halt und Orientierung

herCAREER: Ayla, du hast die streng muslimische Community hinter dir gelassen, in der du aufgewachsen bist – für ein Leben in völliger Selbstbestimmung. Bist du mit deiner Entscheidung im Einklang?

Ayla Işik: Ich habe mit meiner Entscheidung nie gehadert. Ich bin generell kein Mensch, der grübelt und bereut. Obwohl ein paar Sachen anders hätten laufen können.

herCAREER: Was hätte anders laufen können?

Ayla Işik: Ich habe mich von manchen Familienmitgliedern im Stich gelassen gefühlt und es gab wenig Verständnis – viele waren nicht imstande, zuzuhören und zu versuchen, zu verstehen, was mein Wunsch und Antrieb war. Ich wollte mich weder vom Glauben abwenden noch alles auf den Kopf stellen. Es ging und geht mir um Selbstbestimmung. Da hätte ich mir mehr Offenheit, Mitgefühl und Respekt für meine Entscheidungen gewünscht.

herCAREER: Wie sah dein Leben vor deiner Entscheidung aus?

Ayla Işik: Ich komme aus einer sehr religiösen muslimischen Familie. Jede Familie hat unterschiedliche Nuancen, bei uns ging es sehr werteorientiert, liebevoll und verständnisvoll zu, aber natürlich auch den religiösen Regeln folgend. Ich hatte früh Verantwortung für meine fünf jüngeren Brüder. Ich habe mich mit 16 verliebt, eine Beziehung ohne Heirat war aber ein No-Go. So war ich mit 16 verlobt und mit 18 verheiratet. Dann habe ich noch mein Abitur gemacht und mit 21 das erste meiner drei Kinder bekommen.

herCAREER: Deine eigene Mutter hat kritische theologische Fragen gestellt, was du als junges Mädchen nicht gut fandest. Noch weniger gut fandest du aber, welche Ablehnung sie daraufhin erfahren hat. Wie hat dich diese Erfahrung geprägt?

Ayla Işik: Meine Mutter begann nach den Offenbarungsgründen für die Koranverse zu recherchieren, was das Kopftuch betrifft. Ich bekam mit, wie die muslimische Community mit Ablehnung reagierte. Das hat mich durchgewirbelt. Es dauerte dann zwar noch fünf Jahre, aber irgendwann musste ich die Frage für mich beantworten, wie ich leben will. Ich habe innerhalb dieser fünf Jahre vieles beobachtet und selbst hinterfragt und musste irgendwann einsehen, dass ich mich von meinem Mann trennen muss, wenn ich mir und meinen Werten treu sein möchte. Wir lebten damals in einem Einfamilienhaus. Ich wollte, dass er auszieht. Es hieß, wer die Familie verlassen will, muss gehen – und das war ich. Da war ich 32 Jahre alt und meine Kinder 4, 6 und 11 Jahre. Ich zog an einem Montagmorgen aus und dann begann mein neues Leben.

herCAREER: Wie war das für dich?

Ayla Işik: Alles fing bei null an: in die erste eigene Wohnung ziehen, Strom anmelden, zum Jobcenter gehen, mich um meine Ausbildung kümmern, mich um Arbeit kümmern – es war eine Odyssee. Ich trug noch Kopftuch, war Hartz-IV-Empfängerin mit drei Kindern, hatte keine Arbeit – finde da mal eine Wohnung und einen Job! Man muss verstehen, dass ich zuvor finanziell, sozial und religiös eingebunden war und all das auf einen Schlag verlor.

herCAREER: Was war das Härteste, das du auf deinem Weg hinnehmen musstest?

Ayla Işik: Die Trennung von den Kindern war rückblickend von allem das Schlimmste. Ich habe sie oft gesehen, aber ihren Alltag nicht mehr so mitbekommen wie zuvor. Es hat viele Jahre gedauert, bis ich mich mit der Situation abgefunden hatte. Ich musste mit den Meinungen und Sprüchen der anderen umgehen: “Was bist du nur für eine schlechte Mutter! Dein Mann hat dich doch nicht geschlagen oder betrogen, was willst du?” – aber nicht nur das, ich musste auch mit meinem eigenen schlechten Gewissen klarkommen.

herCAREER: Welche Regelungen habt ihr bezüglich der Kinder getroffen?

Ayla Işik: Wir haben es ohne Gericht geklärt, es war nicht immer einfach – mein Ex-Mann war ja auch sehr gekränkt. Meine erste Wohnung war drei Kilometer von den Kindern entfernt. Ich habe sie regelmäßig vom Kindergarten oder aus der Schule abgeholt und so viel Zeit, wie es möglich war, mit ihnen verbracht.

herCAREER: Wie ging es deinem Ex-Mann nach der Trennung?

Ayla Işik: Mein Ex-Mann hat nur wenige Monate nach unserer Trennung wieder geheiratet. Sie sind dann weggezogen. Ich habe dann einen Studienplatz in Essen bekommen und bin auch weggezogen. Meine Kinder und ich haben uns trotzdem jedes Wochenende gesehen. Die Stief-Mama ist eine tolle Ersatz-Mama, ich bin sehr froh, dass sie meine “Nachfolge” angetreten hat. Ich habe sie nur meinem Sohn zuliebe getroffen, aber schnell gemerkt, wenn sie nicht die neue Frau meines Ex-Mannes wäre, dann wären wir wahrscheinlich Freundinnen geworden.

herCAREER: Für ein selbstbestimmtes Leben musstest du viel aufgeben. Andere Frauen – ob Musliminnen oder nicht – bekommen es einfach geschenkt. Hat dich das zur Bitterkeit verleitet?

Ayla Işik: Ich kenne keine Bitterkeit. Bitterkeit würde nur in die Hände derjenigen spielen, die mir mein Glück nicht gönnen – und davon gibt es leider genug.

herCAREER: Was würdest du jungen Frauen raten, die sich in einer ähnlichen Situation befinden wie du damals?

Ayla Işik: Ich kann jede Frau ermutigen, bereits vor einer möglichen Heirat herauszufinden, wer sie ist, was ihr wichtig ist im Leben, welche Wünsche und Bedürfnisse sie hat. Ich würde empfehlen, um alles, was diesen Träumen und Bedürfnissen im Weg steht, einen großen Bogen zu machen. Erfahrungen jeder Art zu machen, ist ungemein wertvoll. Ich bin dankbar für alle Entscheidungen und Fehlentscheidungen, die ich selbst treffen konnte.

herCAREER: Warum hast du dein Buch unter Pseudonym geschrieben?

Ayla Işik: Das hatte in erster Linie rechtliche Gründe. Meine Wahl war es aber nicht.

herCAREER: Im Alter von 33 Jahren hast du dein Kopftuch abgelegt. Für viele gläubige Musliminnen ist es ein Zeichen ihrer Verbundenheit mit Gott, für viele andere nur ein unpraktisches Kleidungsstück, für viele gar ein Zeichen der Unterdrückung. Wie kam es zu deiner Entscheidung?

Ayla Işik: Ich habe im Alter von 11 Jahren angefangen, Kopftuch zu tragen, ohne es jemals zu hinterfragen. Ich finde, jede Muslima soll selbst entscheiden, ob sie Kopftuch tragen will oder nicht. Wer aber meint, durch das Tragen eines Kopftuchs spirituell und religiös überlegen zu sein, täuscht sich meiner Meinung nach. Das ist nicht religiös, sondern arrogant.

herCAREER: Und wieso hast du es abgelegt?

Ayla Işik: Ich hatte es in den besagten fünf Jahren immer mal wieder kurzzeitig abgelegt. Dann, nach der Trennung, war ich auf einer Müttergenesungskur, es war Winter. Ich bin die Jahre zuvor morgens immer mit Mütze laufen gegangen. Auch an diesem Morgen auf der Kur. Und während des Laufs habe ich die Mütze einfach abgenommen. Das Kopftuch soll Frauen eigentlich vor fremden Blicken schützen. Ich war aber morgens um 6 Uhr auf einer Nordseeinsel laufen, und da war niemand. Das Kurheim war außerdem ein reines Frauen-Kurheim. Für mich also eine gute Gelegenheit, um meine Entscheidung in Ruhe zu durchdenken. Aber nach drei Wochen blieb ich dabei.

herCAREER: Wie war es für dich?

Ayla Işik: Ich hatte Hemmungen und Schamgefühle, aber im sicheren Raum der Kur habe ich mich mit der Möglichkeit angefreundet, kein Kopftuch mehr zu tragen – nirgendwo mehr. In den ersten Wochen, als ich wieder zurück war, habe ich mich komisch gefühlt. Es hat gedauert, dieser Prozess war physischer, als man denkt. Es war auf einmal kalt im Nacken, es ist ein ganz anderes Körpergefühl. Physisch und psychisch ist man erstmal nackt, ohne Schutz. Heute würde ich es nicht mehr aufsetzen wollen.

herCAREER: Was bedeutet dir dein Glaube heute, auch ohne Kopftuch?

Ayla Işik: Mein Glaube ist eine persönliche Angelegenheit. Er gibt mir Kraft, Halt und Orientierung. Er ist die Grundlage meines Vertrauens in die Welt. Mein Glaubensverständnis ist, dass die Regeln sich den Werten unterordnen – so, wie ich es in meiner Ursprungsfamilie gelernt und vorgelebt habe. Heute lebe ich nach humanistischen zwischenmenschlichen Werten und richte auch meinen Glauben danach aus.

herCAREER: Gibt es Momente, in denen du deine ehemalige muslimische Community vermisst?

Ayla Işik: Die gibt es schon. Rituale wie der Ramadan sind schöner in Gemeinschaft. Aber dann fällt mir wieder ein, mit welchen Bedingungen diese Gemeinschaft einhergeht.

herCAREER: Kassensturz: Was hast du verloren, was gewonnen durch deine Entscheidung?

Ayla Işik: Ich habe die Fremdbestimmung verloren und die Selbstbestimmung gewonnen. Ich habe es geschafft, meinen Kindern vorzuleben, was es bedeutet, wenn man sich selbst treu bleibt. Gotteserkenntnis kommt nur durch Selbsterkenntnis, hat auch der islamische Gelehrte Rumi gesagt.

Bild: Ayla IşikAutorin des Buchs „BeHauptet“, theologische & kulturelle Fachberaterin,
Wertebotschafterin & Trainerin für Mimikresonanz, Anti-Bias & Interkulturalität

Das Interview führte herCAREER-Chefredakteurin Julia Hägele

Am 18. Oktober 2024 ist Ayla Işik zu Gast beim Authors-MeetUp auf der herCAREER Expo. Tickets gibt es hier: https://www.her-career.com/expo/tickets/

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.