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Opposition kritisiert Ausschluss aus Wahlrechtskommission

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Stimmzettel zur Bundestagswahl 2025 (Archiv), via dts NachrichtenagenturBerlin (dts Nachrichtenagentur) – Mit ihrer Entscheidung, die Kommission zur Reform des Bundestagswahlrechts ausschließlich mit eigenen Abgeordneten zu besetzen, haben Union und SPD erheblichen Unmut ausgelöst. „Die große Koalition muss aufhören, Königreich zu spielen, und endlich auch eine starke demokratische Opposition in ihre Entscheidungen einbeziehen“, sagte die Bundesvorsitzende der Linken, Ines Schwerdtner, der „Süddeutschen Zeitung“ (Dienstagausgabe).

Alles andere erhöhe den Politikverdruss und verstärke das Gefühl, die Regierung mache Politik an den Menschen vorbei. Es sei „beschämend, dass diese Regierung nicht einmal das schafft, was bei der Ampel noch möglich war: die Linke bei solchen Entscheidungen miteinzubeziehen“.

Die Grünen sprachen von einem schlechten parlamentarischen Stil der Koalition. „In allen Wahlrechtskommissionen der letzten Jahre ging es der CDU/CSU immer als allererstes darum, ihre parteitaktischen Interessen in den Mittelpunkt zu stellen und sich selbst bei der Sitzvergabe zu bevorteilen“, sagte Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann der Zeitung. Deshalb sei „die Begrenzung des Bundestags auf 630 Abgeordnete und die Abschaffung von Überhang- und Ausgleichsmandaten durch die Ampelkoalition ein wirklich wichtiger Erfolg“ gewesen. Denn damit werde sowohl das Verhältniswahlrecht als auch ein arbeitsfähiges Parlament garantiert.

Die beiden Koalitionsfraktionen verteidigten ihre Entscheidung, keine Oppositionsabgeordneten in die neue Wahlrechtskommission aufzunehmen. „Wir wollen schnell zu einem Ergebnis kommen“, sagte der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Johannes Fechner, der „Süddeutschen Zeitung“ (Dienstagausgabe). „Alle möglichen Ideen und Konzepte liegen schon länger auf dem Tisch – es braucht also keine langen Beratungen, sondern eine Entscheidung.“ Das sei „zunächst Sache der Koalition, die sich auf ein Modell einigen muss“. Spätestens im Gesetzgebungsverfahren werde man dann „natürlich mit Grünen und Linken sprechen, weil das Wahlrecht mit breiter Mehrheit verabschiedet werden sollte“.

Die Unionsfraktion behauptete, dass die Ampelkoalition bei ihrer Wahlrechtsänderung die damals oppositionelle Union nicht ernsthaft eingebunden habe. Der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Steffen Bilger, sagte der Zeitung, die Wahlrechtsreform der Ampel sei „ein tiefgreifender Systemwechsel gewesen, weshalb eine ernsthafte und nicht nur formale Einbindung der Opposition angebracht gewesen wäre“. Jetzt nehme die Koalition hingegen nur „gezielte Korrekturen vor, um offensichtliche Mängel zu beheben – wie etwa den untragbaren Zustand, dass nicht alle Wahlkreissieger ins Parlament einziehen dürfen und einzelne Wahlkreise ganz ohne Bundestagsabgeordnete auskommen müssen“.

Die Kommission solle Vorschläge „für eine verfassungsgemäße und faire Wahlrechtskorrektur“ erarbeiten, so Bilger. Diese „Vorschläge werden dann im Bundestag offen diskutiert, auch mit der Opposition. Sie ist ausdrücklich eingeladen, sich konstruktiv einzubringen“. Bilger und Fechner werden beide Mitglied der neuen Wahlrechtskommission sein.

Nach dem ab 1956 gültigen Wahlrecht wurden die Sitze, die einer Partei nach ihrem Anteil an Zweitstimmen zustehen, zunächst mit den in den Wahlkreisen durch Erststimmen errungenen Direktmandaten aufgefüllt. Wenn eine Partei mehr Direktmandate errang, als ihr nach dem Zweitstimmenergebnis zustanden, zogen diese zusätzlich in den Bundestag ein (Überhangmandate).

In Reaktion auf ein Verfassungsgerichtsurteil, das bemängelte, dass Stimmen für eine Partei so mitunter zu weniger Sitzen für diese Partei führen konnten, wurden 2011 zusätzlich Ausgleichsmandate eingeführt: Sie sollten dafür sorgen, dass die Sitzverteilung im Parlament dem Zweitstimmanteil der jeweiligen Partei entsprachen. Dies führte zuletzt zu einem deutlichen Anwachsen des Bundestages und einer Stärkung kleinerer Parteien. Eine kleinere Reform 2020 hatte zuletzt zur Folge, dass nicht mehr alle Überhangmandate ausgeglichen werden. Davon konnte vor allem die CSU profitieren.

Die vom Bundesverfassungsgericht weitgehend bestätigte Reform der Ampelkoalition sah zuletzt vor, dass es keine Überhang- und Ausgleichsmandate mehr gibt. Damit verlieren im Vergleich zur Zeit vor 2020 alle Parteien gleichmäßig Sitze. Im Vergleich zur Situation danach trifft die Reform die CSU deutlicher als andere Parteien. Ein Nachteil der Reform ist, dass manche Wahlkreise nun nicht mehr im Bundestag vertreten sind. 23 der Erststimmensieger waren von der Regelung dieses Mal betroffen.


Foto: Stimmzettel zur Bundestagswahl 2025 (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

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Arbeitgeberverband für Abschaffung von Pflegegrad 1

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Steffen Kampeter (Archiv), via dts NachrichtenagenturBerlin (dts Nachrichtenagentur) – Der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Steffen Kampeter, unterstützt Überlegungen der Bundesregierung, den Pflegegrad 1 zu kippen.

„Die Beiträge zur Pflegeversicherung drohen ohne Reformen zu explodieren“, sagte Kampeter der „Rheinischen Post“ (Dienstagausgabe). „Daher begrüßen wir, wenn Bundesgesundheitsministerin Nina Warken jetzt diese Diskussion vorantreibt. Das zeigt Mut und Verantwortungsbewusstsein.“

Die Pflegeversicherung müsse sich seiner Ansicht nach auf große Risiken konzentrieren, die Betroffene nicht aus eigener Kraft bewältigen können. „Insoweit darf die Pflegestufe 1 bei den Überlegungen nicht ausgeklammert werden“, sagte der Arbeitgebervertreter. „Gleichzeitig muss die Eigenverantwortung der Versicherten durch gezielte Anreize zur Prävention und zur privaten Vorsorge gestärkt werden. Nur so gelingt eine Reform mit Maß und Mitte.“


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Bundesregierung plant keine Entkriminalisierung des Containerns

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Einkaufsregal in einem Supermarkt (Archiv), via dts NachrichtenagenturBerlin (dts Nachrichtenagentur) – Die Bundesregierung plant keine Entkriminalisierung des sogenannten Containerns, um gegen Lebensmittelverschwendung vorzugehen.

Das sei im Koalitionsvertrag nicht vorgesehen, sagte ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums am Montag in Berlin auf Anfrage der dts Nachrichtenagentur. Weiter verwies der Sprecher auf einen entsprechenden Vorstoß in der vergangenen Legislaturperiode, der an der Uneinigkeit der Länder gescheitert sei. Dementsprechend brauche es einen eigenen Vorstoß aus den Ländern.

Ein Sprecher des Justizministeriums deutete auf dts-Anfrage auf die bestehenden Möglichkeiten in der Strafprozessordnung hin, die Verfahren zu derartigen „Bagatellfälle“ einzustellen. Bei „so niedrigen Beträgen“ sei ohnehin vorgesehen, dass nur auf Antrag hin ermittelt werde, fügte er hinzu.

Beim Containern nehmen Aktivisten oder bedürftige Personen noch verzehrbare Lebensmittel aus Abfallcontainern mit, die etwa von Supermärkten aus ökonomischen Gründen entsorgt werden. Juristisch wird es jedoch oft trotzdem als Diebstahl eingeschätzt.


Foto: Einkaufsregal in einem Supermarkt (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

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Bosch schließt Standortschließungen nicht aus

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Autoproduktion (Archiv), via dts NachrichtenagenturGerlingen (dts Nachrichtenagentur) – Das baden-württembergische Traditionsunternehmen Bosch schließt bei der Restrukturierung seiner angeschlagenen Mobilitätssparte weder betriebsbedingte Kündigungen noch Standortschließungen und Produktionsverlagerungen ins Ausland aus.

„Unser Ziel ist und bleibt es, sozial verträgliche Lösungen zu finden. Wenn aber zum Beispiel ganze Standorte geschlossen werden müssen, sind auch betriebsbedingte Kündigungen nicht zu vermeiden“, sagte Arbeitsdirektor Stefan Grosch der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Produktion findet dort statt, wo sie von unseren Kunden gefordert wird. Dabei spielen Zölle eine immer größere Rolle. Produktionsverlagerungen kann man daher nie ausschließen.“

Der weltgrößte Automobilzulieferer hatte am vergangenen Donnerstag bekannt gegeben, bis Ende 2030 weitere 13.000 Arbeitsplätze in der Mobilitätssparte zu streichen. Mit dieser Ankündigung summiert sich die Zahl der Stellen, die der Zulieferer in seinem größten Geschäftsbereich in den nächsten Jahren abbauen, auf gut 22.000. Betroffen sind fast ausschließlich die deutschen Mobilitätsstandorte, an denen Bosch Ende vergangenen Jahres rund 70.000 Menschen beschäftigt hat.

„Abwarten ist keine Option“, sagte Grosch weiter. „Vor allem hat sich der Preiswettbewerb deutlich verschärft. Zudem verschieben sich Bestellungen von neuen Elektronik-Architekturen sowie von Komponenten für Elektromobilität und automatisiertes Fahren zeitlich deutlich weiter nach hinten. Die erwartete Nachfrage ist nicht vorhanden.“

Den Vorwurf, das Ausmaß der Krise erst nach mehr als eineinhalb Jahren vollständig offen gelegt zu haben, wies Grosch zurück. „Von einer Salamitaktik kann nicht die Rede sein. Wir müssen schlichtweg den individuellen Anforderungen unserer sehr unterschiedlichen Sparten im Bosch-Konzern gerecht werden“, erklärte Grosch. „Wir müssen unseren Beschäftigten das Signal geben, dass wir an der Wettbewerbsfähigkeit der Standorte arbeiten müssen. Es ist wichtig, dass Klarheit besteht und dass alle die Situation verstehen, denn der Zeitdruck ist extrem groß.“

Die Beschäftigungssicherung, die bis Ende 2027 betriebsbedingte Kündigungen an deutschen Standorten in der Mobilitätssparte von Bosch ausschließt, stellte Grosch dagegen nicht infrage. „Die Vereinbarung halten wir auf jeden Fall ein“, sagte Grosch der FAZ. Trotz der schwierigen Situation „funktioniert die Zusammenarbeit mit dem Gesamtbetriebsrat“ nach Ansicht Groschs gut. „Wichtig ist, dass wir jetzt von beiden Seiten an diesem vertrauensvollen Dialog festhalten und schnell ins Gespräch kommen.“

Die Arbeitnehmerseite müsse sich jedoch in den nächsten Jahren auf grundlegende Veränderungen einstellen. „Der Umsatzanteil, den wir mit Elektronik und Software machen, wird größer. Der Wertschöpfungsanteil geht dabei im Vergleich zur klassischen Verbrennertechnologie zurück. Das bedeutet, dass wir als Unternehmen wachsen, die Beschäftigung aber nicht im gleichen Maß mitwächst“, sagte Grosch. „Das Wirtschaftsmodell verändert sich, und wir sind Teil der Veränderungen. Die Innovationskraft in der Mobilität verschiebt sich aktuell in Richtung China. Wir müssen uns dem Wettbewerb stellen und konsequent an unserer Wettbewerbsfähigkeit arbeiten. Und wir müssen uns wieder auf unsere Innovationskraft besinnen, die Bosch und die deutsche Wirtschaft stark gemacht hat.“


Foto: Autoproduktion (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

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Dax am Mittag weiter im Plus – 100-Tage-Linie setzt Stopp-Schild

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Frankfurter Börse, via dts NachrichtenagenturFrankfurt/Main (dts Nachrichtenagentur) – Der Dax hat sich am Montag nach einem bereits positiven Start in die Handelswoche am Mittag weiter im Plus bewegt. Gegen 12:30 Uhr wurde der Leitindex mit rund 23.810 Punkten berechnet, 0,3 Prozent über dem Schlussniveau vom Vortag.

An der Spitze der Kursliste notierten Symrise, Infineon und Rheinmetall. Ins Minus ging es dagegen unter anderem für die Papiere der Commerzbank, von Continental und der Deutschen Bank.

„Der deutsche Gesamtmarkt versucht sich weiter auf dem Kursniveau von 23.800 Punkten zu etablieren“, sagte Marktanalyst Andreas Lipkow. „Der Dax stößt sich derzeit immer wieder den Kopf an der viel beachteten 100-Tage-Linie. Seit einigen Handelstagen pendelt der Dax, gefangen in der Handelsspanne zwischen der 200- und der 100-Tage-Linie.“

Es fehle derzeit noch der ausreichende Handelsimpuls, um den Gesamtmarkt aus dieser Kurszone hinausschieben zu können. Dennoch scheine das Kaufinteresse zum Quartalen für deutsche Standardwerte anzuhalten, so Lipkow.

Die europäische Gemeinschaftswährung war am Montagnachmittag etwas stärker: Ein Euro kostete 1,1717 US-Dollar, ein Dollar war dementsprechend für 0,8535 Euro zu haben.

Der Goldpreis konnte deutlich profitieren, am Nachmittag wurden für eine Feinunze 3.815 US-Dollar gezahlt (+1,5 Prozent). Das entspricht einem Preis von 104,69 Euro pro Gramm.

Der Ölpreis sank unterdessen deutlich: Ein Fass der Nordsee-Sorte Brent kostete am Montagnachmittag gegen 12 Uhr deutscher Zeit 69,12 US-Dollar, das waren 101 Cent oder 1,4 Prozent weniger als am Schluss des vorherigen Handelstags.


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Septemberwetter mit großen Gegensätzen

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Zwei Kleinkinder bei Herbstanfang (Archiv), via dts NachrichtenagenturOffenbach am Main (dts Nachrichtenagentur) – Der September 2025 war ein Monat großer meteorologischer Gegensätze.

Kurz vor dem kalendarischen Herbstanfang brachte er noch einmal Spitzenwerte über 30 Grad Celsius (°C), seit dem 22. September dominieren kühlere Temperaturen, teilte der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Montag mit. Während es im Norden und Nordosten insgesamt deutlich wärmer und sonniger als im langjährigen Mittel war, fiel im Südwesten außergewöhnlich viel Regen, so der DWD nach vorläufigen Auswertungen seiner rund 2.000 Messstationen.

Der September 2025 lag mit einer Mitteltemperatur von 14,5 °C um 1,2 Grad über dem Wert der Referenzperiode 1961-1990 (13,3 °C) und 0,7 Grad über dem aktuellen Vergleichszeitraum 1991-2020 (13,8 °C). Am deutlichsten fielen die positiven Abweichungen mit rund 2 Grad im Norden der Republik aus.

Eine spätsommerliche Episode erlebte das gesamte Land am 20. des Monats: Verbreitet wurden 25 bis 30 °C und örtlich sogar Spitzenwerte von über 30 °C gemessen. Pabstorf im nördlichen Harzvorland verkündete mit 32,6 °C das Maximum.

Mit dem kalendarischen Herbstbeginn am 22. setzte dann ein spürbarer Witterungswechsel ein: Die letzte Monatsdekade verlief zeitweise deutlich kühler und brachte herbstlich-frische Tage. Am 29. meldete Deutschneudorf-Brüderwiese im Erzgebirge mit -1,3 °C die niedrigste Temperatur des Monats nach der Zugspitze mit -6,1 °C am 17. September.

Mit gut 86 Litern pro Quadratmeter (l/m²) fiel im September 2025 fast 41 Prozent mehr Regen als im Mittel (1961-1990: 61 l/m²). Der Vergleichszeitraum 1991-2020 (65 l/m²) wurde um 32 Prozent übertroffen. Besonders nass war es im Südwesten: In Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland wurden teilweise außergewöhnlich hohe Niederschlagsmengen gemessen.

Im Saarland könnte der September nach aktuellen Prognosen sogar der nasseste seit Beginn der Messungen 1881 werden und das Jahr 2001 (170,7 l/m²) von Platz 1 verdrängen. Extremereignisse prägten auch Nordrhein-Westfalen: Dort fielen am 8. in Mönchengladbach-Hilderath mit 118,7 l/m² die bundesweit höchsten Tagessummen des Monats. In Teilen Nord- und Mitteldeutschlands verzeichneten einzelne Stationen dagegen Monatsmengen unter 30 l/m².

Mit 157 Stunden erreichte die Sonnenscheindauer im September 2025 gegenüber der Referenzperiode 1961-1990 (150 Stunden) ein kleines Plus von knapp fünf Prozent, und lag genau im Durchschnitt der Referenzperiode 1991-2020 (157 Stunden). Besonders im Nordosten zeigte sich die Sonne häufig: Entlang der Ostseeküste und im angrenzenden Binnenland wurden mehr als 200 Stunden Sonnenscheindauer registriert. Deutlich trüber verlief der Monat hingegen in den zentralen und südwestlichen Mittelgebirgen, wo örtlich weniger als 125 Stunden zusammenkamen, so der DWD.


Foto: Zwei Kleinkinder bei Herbstanfang (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

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Industriekrise: IG BCE warnt vor Massenentlassungen

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Chemie-Anlagen (Archiv), via dts NachrichtenagenturBerlin (dts Nachrichtenagentur) – Die deutsche Industrie steckt nach Einschätzung des Chefs der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Michael Vassiliadis, in einer „sehr ernsten Lage“.

Bei den Sendern RTL und ntv warnte IG BCE-Chef Michael Vassiliadis am Montag vor weiterem Stellenabbau. Die „harten Zeiten“ in den Branchen seien längst Realität. Für die kommenden Jahre sei bereits beschlossen, rund 40.000 Arbeitsplätze in der Industrie abzubauen.

Den Grund für die Krise sieht Vassiliadis neben geopolitischen Spannungen, wie dem zunehmend unzuverlässigen Verhalten der USA im Handel, vor allem in hausgemachten Problemen in Europa. „Die Zeiten, in denen Deutschland als Exportweltmeister von einer freien Handelsordnung profitierte, sind vorbei“, sagte Vassiliadis. Europa müsse sich stärker auf seinen Binnenmarkt konzentrieren und neu orientieren.

Besorgt zeigte sich der Gewerkschaftschef auch über die jüngsten Ankündigungen von US-Präsident Donald Trump, 100-prozentige Importzölle auf Pharmaprodukte zu erheben. Dies setze die eng verflochtene deutsche und europäische Industrie massiv unter Druck und könne Produktionsverlagerungen in die USA nach sich ziehen. Vassiliadis kritisierte den Einsatz von Handelspolitik als „Waffe für Interessen“ und forderte eine selbstbewusstere europäische Haltung gegenüber Washington.

Gleichzeitig unterstrich er die Bedeutung einer effizienten und kostengünstigen Transformation insbesondere im Bereich der Energiewende, um weitere Arbeitsplatzverluste zu verhindern. Der kürzlich vorgestellte Monitorbericht zur Energiewende sei eine sachliche Diskussionsgrundlage, doch es brauche mehr Offenheit in der Debatte über Fortschritte und Herausforderungen.

Trotz der ernsten Lage bleibt Vassiliadis vorsichtig optimistisch: „Ich sehe einen Weg, es anders zu machen, ob wir ihn gehen, weiß ich natürlich nicht.“ Die deutsche Industrie stehe großen Herausforderungen gegenüber, doch es gäbe Chancen, wenn die richtigen Reformen entschlossen angepackt würden.


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VfB-Vorstand Kasper wechselt zum FC Bayern München

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Stuttgart-Spieler (Archiv), via dts NachrichtenagenturStuttgart (dts Nachrichtenagentur) – Der Vorstand für Marketing und Vertrieb des VfB Stuttgart, Rouven Kasper, wird zum 1. Januar 2026 zum FC Bayern München wechseln. Der Aufsichtsrat der VfB Stuttgart 1893 AG habe einer vorzeitigen Vertragsauflösung zugestimmt, teilten die Schwaben am Montag mit.

Kasper gehörte dem VfB-Vorstand seit Januar 2022 an und war maßgeblich für die Neuausrichtung des Clubs im Sponsoring, der Internationalisierung sowie im Marketing und Vertrieb verantwortlich. Zuvor hatte der 43-Jährige bereits als „President Asia“ für den FC Bayern München gearbeitet, zu dem er nun zurückkehren wird.

VfB-Aufsichtsratsvorsitzender Dietmar Allgaier sagte, man habe Kaspers Wunsch entsprochen, da er sich in hohem Maße um den Verein verdient gemacht habe. Kasper selbst erklärte, die Entscheidung sei ihm nicht leichtgefallen, er verlasse seinen Heimatclub jedoch in der Gewissheit, dass der VfB gut für die Zukunft aufgestellt sei.


Foto: Stuttgart-Spieler (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

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Immer mehr Hundertjährige

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Seniorin mit Helferin (Archiv), via dts NachrichtenagenturWiesbaden (dts Nachrichtenagentur) – Zum Jahresende 2024 lebten in Deutschland rund 17.900 mindestens Hundertjährige. Die Zahl ist gegenüber dem Jahr 2011 um knapp ein Viertel (+24,0 Prozent) gestiegen, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) Montag mitteilte.

Damals lebten hierzulande gut 14.400 Menschen, die 100 Jahre oder älter waren. Die mindestens Hundertjährigen sind überwiegend Frauen: Ende 2024 betrug ihr Anteil 83,8 Prozent. Im Jahr 2011 war er mit 87,0 Prozent noch etwas höher. Die Lebenserwartung ist langfristig deutlich gestiegen; für Frauen ist sie zudem höher als für Männer.

Auch der Anteil der Altersgruppe 100plus an der Gesamtbevölkerung ist gestiegen. Kamen im Jahr 2011 auf 10.000 Einwohner noch 1,8 Menschen, die 100 Jahre oder älter waren, so waren es 2024 bereits 2,1 Personen.

Hinsichtlich Zahl und Anteil der mindestens Hundertjährigen gibt es regionale Unterschiede. Die meisten Hochbetagten lebten zum Jahresende 2024 in den bevölkerungsreichen Bundesländern Nordrhein-Westfalen (3.900), Bayern (2.400) und Baden-Württemberg (2.300).

Betrachtet man den Anteil der Altersgruppe 100plus an der Gesamtbevölkerung zeigt sich ein anderes Bild: In Hamburg kamen zuletzt 2,9 mindestens Hundertjährige auf 10.000 Einwohner – im Vergleich der Bundesländer der höchste Wert.

Anteilig viele Hochbetagte gab es auch in Sachsen (2,6 je 10.000 Einwohner) und im Saarland (2,5). Die wenigsten mindestens Hundertjährigen gab es gemessen an der Gesamtbevölkerung in Bayern (1,8 je 10.000 Einwohner), Bremen (1,9) und Brandenburg (2,0).

Auch weltweit nehmen Zahl und Anteil der mindestens Hundertjährigen zu, wenn auch auf niedrigerem Niveau als in Deutschland. Kamen im Jahr 2011 weltweit 0,4 mindestens Hundertjährige auf 10.000 Einwohner, so waren es 2024 bereits 0,7 Menschen dieses Alters, wie aus Vorausberechnungen der Vereinten Nationen (UN World Population Prospects) hervorgeht. Danach waren 2024 weltweit mehr als eine halbe Million Menschen (587.000) mindestens 100 Jahre alt, vier Fünftel von ihnen Frauen (81 Prozent). Im Jahr 2011 hatten 303.000 Menschen zu dieser Altersgruppe gehört.

Die meisten mindestens Hundertjährigen gab es 2024 in Japan (121.000), den Vereinigten Staaten (70.000) und China (43.000), so das Bundesamt.


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Lufthansa will 4.000 Stellen bis 2030 abbauen

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Lufthansa-Flugzeuge (Archiv), via dts NachrichtenagenturFrankfurt am Main (dts Nachrichtenagentur) – Der Lufthansa-Konzern will bis zum Ende des Jahrzehnts 4.000 Stellen abbauen. Der „überwiegende Teil“ davon solle in Deutschland wegfallen, teilte das Unternehmen am Montag mit.

Das solle „in Abstimmung mit den Sozialpartnern“ erfolgen. Der Fokus liege dabei auf den administrativen und nicht den operativen Rollen, hieß es weiter.

Ersetzt werden sollen die Tätigkeiten unter anderem durch Digitalisierung und einen vermehrten Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Außerdem prüfe man, „welche Tätigkeiten zum Beispiel aufgrund von Doppelarbeiten in Zukunft nicht mehr wie bisher erforderlich sein werden“, so der Konzern.

Die Fluggesellschaft hatte sich bislang nicht komplett von der Krise während der Coronapandemie erholen können und liegt in der angebotenen Kapazität und Produktivität noch unter dem Niveau von 2019. Damals hatte der Konzern bereits Zehntausende Stellen gestrichen. Mitte September hatte die Lufthansa schließlich bekannt gegeben, dass zentrale Funktionen ihrer Airlines zusammengeführt werden sollen. So sollen die Flugnetze der Kurz- und Mittelstrecke von Lufthansa, Swiss, Austrian und Brussels Airlines ab Januar 2026 gebündelt gesteuert werden.


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