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Europäische Kreditmärkte sind widerstandsfähiger als amerikanische

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Fed Gold Kreditmärkte Aktienmärkte Inflation US-Wirtschaft
Foto von Florian Ielpo (Quelle: LOIM)

Ein aktueller Marktkommentar von Florian Ielpo, Head of Macro, Multi asset bei Lombard Odier Investment Managers (LOIM):

Die Aktienmärkte haben in letzter Zeit dem Wachstum den Vorzug vor dem Wert gegeben. Gilt das auch für die Kreditmärkte? Der transatlantische Spread – d. h. die Differenz zwischen den Kreditspreads für auf Dollar und Euro lautende Anleihen – könnte dieselbe Veränderung erfahren, da die Anleger der Qualität den Vorzug vor dem Wert geben.

Entgegen den Erwartungen sind die europäischen Kreditmärkte sehr viel widerstandsfähiger als früher. Die makroökonomische Situation in Europa zeigt auch eine größere Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Straffungszyklus als in den USA, und die Ausfallprognosen für beide Gebiete machen diesen Unterschied nun deutlich. Was schließlich die Preisgestaltung betrifft, so werden europäische und US-amerikanische Kredite auf ähnlichem Niveau gehandelt – ein Grund mehr, eine vernünftige Preisgestaltung zu bevorzugen.

Europäischer Kredit: höhere Qualität

Bei europäischen und US-amerikanischen Krediten könnten die Anleger immer noch den Eindruck haben, dass sich europäische Kredite in einer ähnlichen Lage befinden wie 2011, dem Höhepunkt der Staatsschuldenkrise in der Region. Das Gegenteil ist der Fall, und die Märkte haben diese Qualitätsveränderung zunehmend eingepreist.

In den Jahren 2008 und 2011 übertrafen die Spitzenwerte der europäischen High-Yield-Spreads die der USA um etwa 100 Basispunkte. Seitdem ist das Gegenteil der Fall, insbesondere 2015 (mit der chinesischen Konjunkturabschwächung) und 2020 (trotz der Dividendenturbulenzen bei den europäischen Banken). Im Jahr 2022, als der Zinsschock einsetzte, erreichten die Renditen in den USA und Europa in etwa den gleichen Wert, wobei Europa etwas widerstandsfähiger war.

Die letzten drei Marktschocks könnten durch die Zinserhöhungen der Federal Reserve (Fed) und der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frage gestellt worden sein. Doch da die Fed die Zinssätze aggressiver als die EZB und über einen längeren Zeitraum anhebt, sind die europäischen Spreads nach Ansicht der Ratingagenturen immer noch kreditwürdiger.

Laut der Prognosen von Moody’s wird in Europa bis 2024 mit einem Anstieg der Ausfälle um 1 % gerechnet, während die Ausfälle in den USA um etwa 2,5 % zunehmen dürften, so dass die endgültige Ausfallquote bei 5,8 % liegt – das ist das Doppelte des heutigen Werts. Angesichts des erhöhten Bankenrisikos in den USA und der höheren Anfälligkeit für Rohstoffe (die Anlageklasse, die in diesem Jahr die niedrigsten Renditen erzielt hat) scheinen US-Kredite nicht defensiv zu sein.

Während wir glauben, dass wir uns derzeit in einem „Sweet Spot“ bei Krediten befinden, der von Faktoren wie einer positiven Stimmung und einem stabilen und aktiven Primärmarkt angetrieben wird, sehen wir, dass die Anleger ihre Kreditengagements aufstocken und ihre Positionierung auf „long“ stellen. Wir würden hier zu einem differenzierteren Ansatz raten, mit einer Präferenz für die defensiveren europäischen Anleihen gegenüber den US-Anleihen, insbesondere wenn man die Bewertungen beider Märkte berücksichtigt.

Unterschiedliche Qualität, gleicher Preis

Auch wenn der Qualitätsunterschied jetzt offensichtlich sein sollte, spiegelt er sich unserer Meinung nach nicht in den Preisen wider. Während US-Kredite bis zum Beginn des Zinsschocks im Jahr 2022 noch teuer schienen, so wurden sie seitdem weitgehend neu bewertet und sind im Vergleich zu Europa billiger geworden. Als die Bankenkrise im März ausbrach, kehrte sich diese Situation um, so dass beide Kreditmärkte gleich teuer erschienen.

Jetzt sind wir an einem Punkt angelangt, an dem – nach unseren Maßstäben – beide Regionen ähnlich bewertet sind, und dennoch sehen wir den bereits erwähnten Unterschied in Bezug auf die Kreditqualität und die Ratings driften. US-amerikanische und europäische Anleihen werden zum gleichen Preis gehandelt, bieten aber nicht die gleiche Qualität.

Die makroökonomische Situation ist wahrscheinlich einer der Hauptauslöser für die Verbesserung der relativen Attraktivität der europäischen Kredite. Die Spreads sind zyklisch, und eine relative Verschlechterung zwischen den beiden Wirtschaftszonen könnte eine Präferenz für die eine gegenüber der anderen erklären.

Die Tatsache, dass der Markt diesen Unterschied noch nicht eingepreist hat, könnte die derzeitige Situation zu einem potenziell attraktiven Einstiegspunkt machen: bessere Qualität in Europa und eine relative makroökonomische Verschlechterung in den USA, die beide in den Kreditspreads nicht genau widergespiegelt werden.

Einfach ausgedrückt: Während US-Aktien europäischen vorzuziehen sind, gilt für die Kreditmärkte das Gegenteil. Europäische Kredite sind widerstandsfähiger und kreditwürdiger als ihre amerikanischen Pendants.

Europäische Kreditmärkte sind widerstandsfähiger als amerikanische

Foto von Florian Ielpo (Quelle: LOIM)

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Nerlinger fordert Verbot von Ablösesummen für U-17-Spieler

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Fußballer mit Ball (Archiv), über dts NachrichtenagenturMünchen (dts Nachrichtenagentur) – Der ehemalige Profifußballer Christian Nerlinger plädiert für eine radikale Reform des Transfermarkts für Jugendspieler. „Alle Vereine sollten sich darauf verpflichten, dass es für Spieler bis zur U17, die also jünger als 17 Jahre sind, einen regionalen und keinen aggressiven Transfermarkt gibt“, sagte Nerlinger der Wochenzeitung „Die Zeit“.

„Natürlich sollen Spieler wechseln dürfen, aber ohne, dass Ablösesummen fließen beziehungsweise finanzielle Anreize den Ausschlag geben“, so der frühere Sportdirektor des FC Bayern München. Das Geschäft im Jugendbereich laufe insgesamt in die falsche Richtung, sagte Nerlinger: „Viele Vereine werben Spieler sehr aggressiv ab, und das Scouting ist global, in der Hoffnung, sich den nächsten Weltstar zu sichern – auf dass man ihn später für 150 Millionen Euro verkaufen kann. Das ist grundfalsch, denn es bleiben leider unglaublich viele Spieler beruflich und persönlich auf der Strecke.“ Nerlinger kritisiert in diesem Kontext auch seinen früheren Arbeitgeber: „Da ist der FC Bayern leider keine Ausnahme. Auch hier werden Kinder für 400.000 Euro transferiert.“


Foto: Fußballer mit Ball (Archiv), über dts Nachrichtenagentur

Foto/Quelle: dts

Dobrindt reagiert zurückhaltend auf Asyl-Vorschlag von Frei

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Alexander Dobrindt (Archiv), über dts NachrichtenagenturAndechs (dts Nachrichtenagentur) – CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt hat zurückhaltend auf den Vorstoß des Parlamentarischen Geschäftsführers der Unionsfraktion, Thorsten Frei (CDU), zur Abschaffung des Individualrechts auf Asyl reagiert. „Das wird international diskutiert – mir allerdings geht es darum, dass wir jetzt schnell Begrenzung kriegen“, sagte Dobrindt am Mittwoch am Rande der Klausurtagung der Landesgruppe in Kloster Andechs dem TV-Sender „Welt“.

Die Kommunen wollten helfen und ihrer humanitären Pflicht nachkommen, „aber sie sind schlichtweg überfordert“. „Und dazu gehört, dass wir im System jetzt noch stärker Außengrenzschutz betreiben, dass wir die Möglichkeiten der Verhandlungen mit den Transitländern noch mal verstärken, Abkommen schließen.“ Es gehe darum, „dass es weniger Zuwanderung über das Asylsystem nach Deutschland und Europa gibt“. Zum Vorstoß des Parlamentarischen Geschäftsführers Frei der eigenen Fraktion sagte der CSU-Politiker lediglich: „Und dann kann man sich darüber unterhalten, was man langfristig macht. Und dazu gehört eine Diskussionsbereitschaft und auch zu akzeptieren, dass es Vorschläge gibt, die ein komplettes neues Denken erfordern. Thorsten Frei hat dazu einen Vorschlag gemacht.“


Foto: Alexander Dobrindt (Archiv), über dts Nachrichtenagentur

Foto/Quelle: dts

HELDenhafte Luxus-Suiten für das „Mehr“ im Urlaub

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Sport & Wellnesshotel Held**** Superior

Wer sich an den schönsten Tagen im Jahr etwas Besonderes gönnen möchte, der ist von den Luxus-Suiten im Sport- und Wellnesshotel Held****s begeistert. Viel Raum im gemütlich-eleganten Design verleiht dem Urlaub in den Tiroler Bergen eine herrliche Großzügigkeit. Private Saunen machen das Well-ness-Erlebnis zur Privatsache. Jede Suite überrascht mit einem besonderen Highlight: Sei es der grandiose Rundum-Blick in die Berge, die Panorama-Infrarot-Dusche oder die Panoramaglas-Sauna am Balkon.

Das „Beste vom Besten“ im HELD ist die Penthaus Suite Bergfeuer. Diese verwöhnt auf 92 m2 mit allem, was das Herz begehrt. Am großen Balkon mit Blick auf den Garten kennt das Entspannen keine Grenzen. Im weitläufigen Wohn- und Schlafbereich ganz für sich sein, von der Whirlwanne auf das Spieljoch hinaufblicken. Klimaanlagen sorgen für ein herrliches Raumklima. Die Suiten sind mit Recht der große Stolz des HELD. Mit ebenso viel Liebe zum Detail sind die Doppelzimmer gestaltet. Ein traumhafter Platz, um den Sommer in den Bergen zu genießen. Weil die Natur rund um das HELD so schön ist, verlagern die Trainer:innen des Hauses die sportlichen Angebote am liebsten nach draußen. Nordic Walking an der frischen Luft, Aqua Gym oder Yogaeinheiten, genussvoll oder knackig mit dem Bike die Region erkunden – jeder Tag steckt voll Bewegungsfreude und Highlights für jede Kondition.

Die Seele baumeln lassen, dafür ist die In- und Outdoor-Wellnesswelt da. 3.000 m2 Gartenidylle liegen den Gästen zu Füßen. Mit Pools, Day-Beds, Kräutergarten, Sonnenterrasse, Whats app-Poolservice und vielem mehr, das den Sommer zum Sommer macht. Und man darf jetzt auch schon mit einer Herbst-Auszeit liebäugeln. Bis 05. November 2023 gilt das HELD-Angebot „Aktiv in den Bergen“ für alle, die sich gern outdoor bewegen.

Aktiv in den Bergen (bis 05.11.23)

Leistungen: 3 Nächte, 1 Tagesmiete E-Bike, 1 Lunchpaket, abwechslungsreiches Aktivprogramm mit geführten Wanderungen – Preis p. P.: ab 548 Euro

Bild Sport & Wellnesshotel Held**** Superior

Quelle © mk Salzburg.

VDA hebt Prognose für Entwicklung des Automobilmarkts an

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Autoproduktion (Archiv), über dts NachrichtenagenturBerlin (dts Nachrichtenagentur) – Der Verband der deutschen Automobilindustrie (VDA) hebt seine Prognose für die Entwicklung des Automobilmarkts in diesem Jahr an. „Der europäische Pkw-Markt ist im ersten Halbjahr ein bisschen besser gelaufen als gedacht, wir können die Zahlen nach oben anpassen“, sagte VDA-Chefvolkswirt Manuel Kallweit der Wochenzeitung „Die Zeit“.

Der Verband gehe demnach für dieses Jahr von einem Wachstum in Europa um neun Prozent aus – anstatt wie bislang sieben Prozent. Der deutsche Markt werde um sechs statt vier Prozent wachsen. Es werde voraussichtlich auch mehr produziert als erwartet: Aus deutschen Fabriken werden in diesem Jahr vier Millionen Neuwagen rollen, ein Plus von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Unterdessen übt IG-Metall-Chef Jörg Hofmann scharfe Kritik an der Modellpolitik der Autohersteller: „Es gibt kein E-Fahrzeug für jedermann in der Preiskategorie um die 25.000 Euro“, beklagt der Gewerkschaftschef.

Die Autobauer hätten zwar mit hohen Rohstoffkosten und Energiepreisen zu kämpfen, „aber es ist dennoch ein Skandal, dass wir hier eine Angebotslücke haben“. Auch deswegen wachse die Elektromobilität derzeit langsamer als erhofft, so die Einschätzung des Gewerkschaftschefs. Um die Nachfrage bei Elektroautos wieder anzukurbeln, plädiert Hofmann für ein neues staatliches Förderprogramm. „Aber keine Kaufprämie, die dann auch Importeure einstreichen, sondern ein vergünstigter Grünstrom für Dienstwagen“, sagte Hofmann der „Zeit“.


Foto: Autoproduktion (Archiv), über dts Nachrichtenagentur

Foto/Quelle: dts

Spritpreise kaum verändert

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Zapfsäule (Archiv), über dts NachrichtenagenturMünchen (dts Nachrichtenagentur) – Die Spritpreise in Deutschland haben sich in der vergangenen Woche kaum verändert. Ein Liter Super E10 kostete am Dienstag im bundesweiten Mittel 1,789 Euro und damit 0,6 Cent weniger als in der Vorwoche, wie ein ADAC-Sprecher am Mittwoch der dts Nachrichtenagentur sagte.

Diesel verbilligte sich unterdessen minimal um 0,1 Cent und kostete im Schnitt 1,628 Euro. In der Vorwoche war der Preis für Benzin noch gestiegen, der Dieselpreis sogar deutlich. Der Unterschied bei den Preisen für die Kraftstoffsorten verkleinerte sich durch die jüngste Entwicklung: Ein Liter Diesel kostet jetzt im Schnitt 16,1 Cent weniger als ein Liter E10.


Foto: Zapfsäule (Archiv), über dts Nachrichtenagentur

Foto/Quelle: dts

5-Jahres-Prognose: Indien vor China

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Indien ETFs
Foto von Marcus Weyerer (Quelle: Franklin Templeton)

Ein aktueller Marktkommentar von Marcus Weyerer, CFA, Senior ETF Investment Strategist, Franklin Templeton ETFs EMEA:

Indien liegt weiter im Trend. Zwar haben die Aktienmärkte seit ihren Allzeithochs nachgegeben, aber im Vergleich zu vielen anderen Börsen in Schwellen- und Industrieländern ist der Rückgang weniger stark. Gemessen an den Gewinnen der letzten zwölf Monate erscheinen die Bewertungen jedoch überhöht. Wie ist das Land für Anleger im Moment einzuschätzen?

Strukturelle Situation und Bankensektor stabil

Angesichts der jüngsten globalen Herausforderungen, insbesondere mit Blick auf die Bankenturbulenzen in den USA und Europa, ist Indiens strukturelle und fundamentale Situation recht gut. Seit der Talsohle im März haben sich die indischen Aktien erholt, wenngleich sie immer noch schlechter abschneiden als das allgemeine Schwellenländeruniversum.

Wachstum, Inflation, Geldpolitik, eine reformorientierte Regierung und ein starker Bankensektor lassen uns jedoch optimistisch für die Zukunft sein. In Zahlen heißt dies: Derzeit liegen die Erwartungen für das BIP-Wachstum im Jahr 2023 für Indien bei 5,9 %, für die USA bei 1,1 %, für Europa im negativen Bereich und für China bei einem Wachstum von 5,2 %. Die prognostizierte durchschnittliche Gesamtwachstumsrate für die nächsten fünf Jahre liegt bei 6,1 % und übertrifft damit deutlich diejenige von China.

Die Kapitalausstattung der indischen Banken ist sehr gut und die Eigenkapitalkoeffizienten liegen deutlich über den regulatorischen Anforderungen, die tendenziell etwas konservativer sind als Basel III. Auch die Bilanzen der Banken stehen im Allgemeinen sehr gut da. Das Kreditwachstum ist kräftig und die Menge notleidender Vermögenswerte hält sich in Grenzen.

Die ausländischen Forderungen gegenüber indischen Banken sind auf einem deutlich niedrigeren Niveau als beispielsweise bei Banken in den USA oder in Großbritannien. Dadurch ist das Land noch weniger anfällig für einige der globalen Probleme, die wir derzeit erleben.

Erleichterung bei Geschäftsabläufen: Indien macht als einzige große Volkswirtschaft 6 Plätze gut

Tatsächlich lag der indische Einkaufsmanagerindex (PMI) für das verarbeitende Gewerbe im Mai bei 58,7, während der PMI für den Dienstleistungssektor bei über 60 lag. Sowohl die Faktoraktivität als auch der Binnenkonsum haben stark angezogen, und darüber hinaus sind die Inputpreise gesunken, was in Zukunft höhere operative Margen und Erträge bedeuten könnte.

Ferner haben indische Unternehmen tendenziell eine hohe Kapazitätsauslastung, was einen verstärkten Einsatz von Kapital zur Erweiterung der Kapazitäten nach sich ziehen dürfte. Die Verlagerung der Produktion von China zurück nach Indien ist ein weiterer wichtiger Faktor, der westlichen Unternehmen nicht nur eine Diversifizierung der Lieferketten, sondern auch den Zugang zum großen und wachsenden indischen Markt ermöglichen kann.

Tatsächlich stehen ausländische Direktinvestitionen auf der Prioritätenliste der Regierung, die zu deren Förderung auf steuerliche Anreize, die Entwicklung von Kompetenzen und die Erleichterung von Geschäftsabläufen setzt. Was den letzten Punkt anbelangt, so gibt es offenbar gute Fortschritte, zumindest laut dem jüngsten Ranking der Economist Intelligence Unit zum Geschäftsumfeld. Im Vergleich zum Vorjahr konnte Indien 6 Plätze gutmachen und ist damit einer der größten Aufsteiger und die einzige große Volkswirtschaft, der dies gelungen ist. Dabei sind die Fortschritte bei den meisten Parametern zu beobachten.

Zwei wichtige Parameter sind zum Beispiel die technologische Bereitschaft und die Politik gegenüber ausländischen Investitionen. Ferner treibt die Regierung rund um den Globus die Verhandlungen über Handelsabkommen voran. Das wird sich auf das verarbeitende Gewerbe auswirken. Seine Bedeutung und sein Anteil am BIP werden weiter zunehmen. Zudem rechnen wir mit einer allmählichen Aufwärtsverschiebung der Fertigerzeugnisse in der Wertschöpfungskette, sodass das verarbeitende Gewerbe das Potenzial hat, künftig deutlich mehr zur Bruttowertschöpfung beizutragen.

Für den Binnenmarkt wird erwartet, dass die Nachfrage in den Städten und auf dem Land insgesamt zunehmen wird. Bis 2030 dürfte sich der Einzelhandelsmarkt gegenüber 2018 etwa verdoppeln. Damals hatten die Einzelhandelsausgaben ihren letzten Höhepunkt erreicht, bevor sie während der Pandemie einbrachen.

Seitdem hat sich der Aufschwung vor allem in den Städten vollzogen, aber der Konsum im ländlichen Raum wird im kommenden Wahlzyklus ein wichtiges Thema sein, da die Landwirtschaft nach wie vor einen großen Teil der Wirtschaft ausmacht. Die Regierung hat bereits Programme zur Unterstützung der Landwirte und der lokalen ländlichen Gemeinschaften auf den Weg gebracht.

Finanz- und Währungssituation

Dank guter Umsatzsteuereinnahmen hat die Regierung ihre Haushaltsziele in diesem Jahr bisher weitgehend erreicht. Die Devisenreserven sind seit der Corona-Krise erfreulich stark angewachsen und befinden sich wieder in der Nähe der Allzeithochs. Wir gehen davon aus, dass sich die Einnahmen aus der Umsatzsteuer mit der allgemeinen Inlandsnachfrage verbessern werden.

Das sollte der Regierung bei der Haushaltskonsolidierung zugutekommen. Außerdem ist das Leistungsbilanzdefizit zurückgegangen und dürfte sich 2024 weiter verringern, wodurch die Devisenreserven ansteigen könnten. Und schließlich ist die Auslandsverschuldung Indiens mit rund 20 % des BIP im Vergleich zu den Industrieländern niedrig. In den USA macht sie etwa 100 % des BIP aus, in Deutschland 170 % und in Italien 130 %.

Interessant für Anleger ist die Entwicklung der Zinssätze, insbesondere vor dem Hintergrund von El Niño, der die Lebensmittelpreise in die Höhe treiben könnte, und der jüngsten Drosselung der Ölproduktion durch Saudi-Arabien. Die indische Zentralbank (RBI) hat klar gesagt, dass die Senkung der Inflation auf 4 % eine absolute Priorität bleibt. Dennoch wurde der Zinssatz kürzlich bei 6,5 % belassen, was den Markterwartungen entsprach. Ein genauerer Blick offenbart jedoch, dass die Inflation im April bereits ein Zweijahrestief erreicht hat, und dieser allgemeine Trend deckt sich mit dem Rest der Welt.

Weltweit werden die Zinssätze möglicherweise nicht auf das extrem niedrige Niveau des vergangenen Jahrzehnts zurückkehren, und Indiens fiskalische Umsicht dürfte mittelfristig belohnt werden, da die aktuellen Zinssätze weiterhin hoch sind. Kurz gesagt: Die makroökonomische Situation Indiens unterscheidet sich deutlich von der vieler anderer Länder und rechtfertigt andere Bewertungen. Daher können diese Unterschiede durchaus bestehen bleiben oder sich sogar noch vergrößern, wenn das makroökonomische Gefälle weiter zunimmt.

Zusammengefasst: Indische Aktien sind derzeit nicht günstig, aber sie sind auch nicht teuer, wenn man die strukturellen Trends berücksichtigt. Dazu gehören ein günstiges fiskalisches Umfeld, eine steigende Leistungsfähigkeit des verarbeitenden Gewerbes und natürlich positive Rahmenbedingungen für den privaten Konsum. Was die kurzfristigere Entwicklung angeht, so beobachten wir ein sich rasch verbesserndes Geschäftsumfeld, Regierungsreformen, ein gesundes Kreditwachstum und sehr starke Einkaufsmanagerindizes, außerdem Aktienmärkte, die sich für den Zeitraum seit Jahresbeginn gerade ins Plus gedreht haben.

5-Jahres-Prognose: Indien vor China

Foto von Marcus Weyerer (Quelle: Franklin Templeton)

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Europäischer Wohnungsbau kühlt sich ab

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Baustelle (Archiv), über dts NachrichtenagenturMünchen (dts Nachrichtenagentur) – In Europa werden bis 2025 wahrscheinlich weniger Wohnungen fertiggestellt. In Deutschland ist ein Rückgang von 32 Prozent zu erwarten, wie aus Berechnungen der Forschergruppe Euroconstruct, der das Ifo-Institut angehört, hervorgeht.

„Neben der abrupten Zinswende und dem Kostensprung für Bauleistungen führt die allgemeine Verunsicherung über die mittelfristige Entwicklung der Immobilienpreise bei Bauherren und Interessenten zu ausgeprägter Zurückhaltung“, sagte Ifo-Bauexperte Ludwig Dorffmeister. Einen besonders kräftigen Rückgang fertiggestellter Wohnungen haben in den Jahren 2023 bis 2025 auch Schweden (-39 Prozent), Dänemark (-33) und Ungarn (-29) zu erwarten. „Über eine attraktive Neubauförderung berichtet derzeit nur rund ein Drittel der Länderexperten“, so Dorffmeister. Positive Impulse kommen aus Irland (+17 Prozent), Portugal (+15), Spanien (+12) und der Slowakei (+11).

Laut der Ifo-Konjunkturumfrage im Juni hat sich der Auftragsmangel im deutschen Wohnungsbau weiter verschärft: 34,5 Prozent der befragten Firmen berichten, sie hätten zu wenig Aufträge. Im Mai waren es 33,9 Prozent. Das ist der höchste Wert seit April 2010. Mit 19,2 Prozent wurde bei den Stornierungen bestehender Aufträge ein neuer Rekordwert erreicht, nach 17,8 im Mai.


Foto: Baustelle (Archiv), über dts Nachrichtenagentur

Foto/Quelle: dts

KI im Software Testing

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6 Beispiele, wie KI ganzheitliches Quality Engineering unterstützt

Künstliche Intelligenz ist auf dem Vormarsch. Auch für das Quality Engineering in der Software-Entwicklung birgt sie großes Potenzial. Viktoria Praschl, VP Sales Central Europe bei Tricentis, erklärt anhand von sechs Anwendungsfällen, wie sich die neue Technologie im Software Testing einsetzen lässt.

Quality Engineering ist für Unternehmen unverzichtbar, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Doch während die Anforderungen von Kunden steigen, müssen Testing-Teams immer kürzere Release-Zyklen meistern – bei Cloud-Applikationen oft sogar mehrere Builds am Tag. Um mit diesem Tempo Schritt zu halten, darf die Qualitätssicherung nicht länger erst zum Schluss stattfinden, sondern muss in alle Phasen des DevOps-Prozesses integriert werden. Gefragt ist ein Shift-Left im V-Modell: Indem Unternehmen Qualität bereits bei der Applikationsplanung berücksichtigen, können sie Probleme frühzeitig erkennen und adressieren.

Aber wie lässt sich das angesichts sinkender Budgets und Fachkräftemangel bewältigen? Ohne Testautomatisierung geht es heute nicht mehr. Zunehmend kommt dabei auch künstliche Intelligenz zum Einsatz. 86 Prozent der CIOs betrachten KI bereits als wichtiges Kriterium bei der Auswahl von Qualitätssicherungs-Lösungen, so der Capgemini World Quality Report. Laut einer Studie von TechStrong und Tricentis unter DevOps-Professionals sehen 90 Prozent der Befragten erhebliches Potenzial im Einsatz von KI. Die größten Vorteile erwarten sie im Testing-Bereich. Hier kommen sechs Beispiele, wie KI Qualitätssicherer schon heute in der Praxis unterstützt.

1. Automatisiertes UI-Testing

UI-Tests dienen dazu sicherzustellen, dass eine Benutzeroberfläche wie gewünscht funktioniert und eine gute User Experience bietet. Sie sind in der Regel aufwändig und kosten viel Zeit, da sie sich schlecht automatisieren lassen. KI überwindet diese Hürde. Indem sie menschliches Nutzerverhalten simuliert, kann sie UI-Tests selbstständig aus der Anwenderperspektive durchführen.

2. Test Cases aus Mock-up-Designs

Ein Shift-Left-Ansatz ist insbesondere beim UI-Testing schwierig. Denn in der Regel können Tester erst mit der Testautomatisierung beginnen, wenn die Benutzeroberfläche vollständig entwickelt ist. Dadurch verlangsamt sich die Freigabe. KI kann Test Cases dagegen bereits aus dem Mock-up-Design einer Applikation erstellen. Das ermöglicht es, schon UI-Test Cases zu entwerfen, bevor die Benutzeroberfläche überhaupt existiert. Dieselben Tests lassen sich später auf die vollständig entwickelte Anwendung übertragen.

3. Automatisiertes Visual Testing

Visual Testing dient dazu, sicherzustellen, dass eine Benutzeroberfläche auf verschiedenen Endgeräten funktioniert. Indem man einen Basis Screenshot mit einem zukünftigen Screenshot vergleicht, lassen sich Probleme aufdecken, die bei funktionellen Tests auf DOM-Ebene (Document Object Model) nicht erkannt werden. Eine KI kann Visual Testing automatisieren. Voraussetzung ist, dass man ihr beibringt, auf welche visuellen Hinweise sie achten soll.

4. Stabilere, plattformunabhängige Tests

Schon eine kleine Änderung an einer Applikation kann dazu führen, dass die Objektidentifizierung nicht mehr funktioniert und Tests abbrechen. Qualitätssicherer müssen ihre Automatisierungsskripte daher kontinuierlich überprüfen und anpassen. Das ist aufwändig und treibt die Wartungskosten in die Höhe. Eine KI kann UI-Tests dagegen ohne technische Identifikatoren automatisieren. Sie erkennt Objekte mithilfe von neuronalen Netzen auf der visuellen Ebene der Benutzeroberfläche. So können keine Probleme mehr durch abgebrochene Bezüge zwischen Objekten und Identifikatoren entstehen. Die visuelle KI macht die Test Cases zudem unabhängig von der darunter liegenden Technologie. Dadurch lassen sich Tests plattformübergreifend verwenden, egal, ob eine Applikation auf einem Windows-, Android-, Apple- oder Cloud-System läuft.

5. Intelligente Fehlersuche und Selbstheilung

Einen Großteil ihrer Zeit verbringen Tester mit Fehlersuche. Wenn ein Test abbricht, müssen sie in mühevoller Kleinarbeit ermitteln, warum er nicht funktioniert. KI kann die Daten von fehlgeschlagenen Tests dagegen automatisiert analysieren und häufige Fehlermuster erkennen. Im Anschluss kann sie gängige Probleme – etwa fehlerhafte Bezüge ­– sogar automatisiert reparieren.

6. Risiken priorisieren und Test Cases generieren

Um das Testing möglichst effizient zu gestalten, ist es wichtig, zielgerichtet die Bereiche zu testen, die das größte Risiko darstellen. In der Praxis fehlt diese Transparenz häufig. Viele Unternehmen testen daher nach dem Gießkannenprinzip und sammeln eine aufgeblähte Testsuite an, die immer langsamer wird. Dabei decken sie aber nur 20 bis 40 Prozent ihrer Geschäftsrisiken ab. Eine KI kann eine automatisierte Impact-Analyse durchführen, um die größten Risiken zu identifizieren. So unterstützt sie Qualitätssicherer dabei, die wichtigsten Tests zu priorisieren und das Richtige zu testen. Außerdem kann die KI auch automatisiert Test Cases entwerfen und eine optimale Testabdeckung erzielen.

Fazit: KI verschafft Wettbewerbsvorteile

Um eine ganzheitliche Quality-Engineering Strategie umzusetzen, brauchen Unternehmen bestmögliche technische Unterstützung. KI hilft dabei, Testautomatisierung bereits in einer frühen Phase in die DevOps-Prozesse zu integrieren. Am besten lässt sich die neue Technologie mit einer Low-Code/No-Code-Plattform einführen. Viktoria Praschl, VP Sales Central Europe bei Tricentis, fasst zusammen: „Der Einsatz von KI wird für Qualitätssicherer zum Wettbewerbsvorteil. Sie können damit mehr Fehler und Probleme erheblich früher aufdecken und so den gesamten Prozess von der Entwicklung bis zur Bereitstellung beschleunigen. Indem intelligente Algorithmen menschliche Mitarbeiter entlasten und Komplexität reduzieren, gewinnen Testing-Teams mehr Zeit für strategische Aufgaben.“

Bild: Viktoria Praschl, VP Sales Central Europe bei Tricentis

Quelle Akima Media

Künstliche Intelligenz transparenter machen

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ki

Künstliche Intelligenz transparenter machen – Neuer Standard zur Förderung der Erklärbarkeit von KI

Das Thema Künstliche Intelligenz (KI) beschäftigt seit vielen Jahren Wissenschaft wie Wirtschaft. Mit der Anwendung von ChatGPT des US-amerikanischen Unternehmens OpenAI hat die Diskussion zur KI zusätzlich die breite Öffentlichkeit erfasst – international und national. Dabei zeigt sich, dass der KI auch mit Misstrauen begegnet wird. Das zentrale Stichwort ist hier die „Blackbox KI“, da vielfach unklar ist, wie KI- Anwendungen zu ihren Ergebnissen kommen, auf Basis welcher Quellen und ob die entstandenen Aussagen der Wahrheit entsprechen. Hier fehlten bisher Standards zur Erklärbarkeit von KI, die dafür sorgen, dass Vertrauen in die Anwendungen wachsen kann. Die neue DIN SPEC 92001-3 spezifiziert Kriterien zur Förderung der Erklärbarkeit von KI. Der Standard steht beim Beuth Verlag unter www.beuth.de zum kostenlosen Download bereit.

Die Idee
Um sicherzustellen, dass KI-Systeme effizient, verantwortungsbewusst und vertrauenswürdig eingesetzt werden, sollten ihre Entwicklung und ihr Einsatz einschlägigen Qualitätskriterien genügen. „Der neue Standard soll dabei helfen, Vertrauen in die Nutzung und die Sicherheit durch Erklärbarkeit von KI-Anwendungen zu fördern und damit sichere Rahmenbedingungen für die Entwicklung der Zukunftstechnologie zu schaffen“, erklärt Annegrit Seyerlein-Klug, Standardization Manager / Product Management bei der neurocat GmbH und Leiterin des DIN-SPEC-Konsortiums das Ziel.

Die DIN SPEC 92001-3 als Leitfaden
Die neu entstandene DIN SPEC 92001-3 bietet einen Leitfaden für geeignete Ansätze und Methoden zur Förderung der Erklärbarkeit in allen Phasen des Lebenszyklus eines KI-Systems. Sie definiert und beschreibt die Quellen und Auswirkungen von Intransparenz in der heutigen KI. Dazu betrachtet der Standard die Art und Weise, wie Erklärungen eingesetzt werden können und sollten, um diese Auswirkungen für verschiedene Interessengruppen in unterschiedlichen Phasen des Lebenszyklus von KI-Systemen abzumildern.

Breite Abdeckung
Die beschriebenen Qualitätskriterien sind für alle Arten von KI-Systemen und für alle Bereiche, in denen solche Systeme eingesetzt werden, angelegt. Insbesondere gelten sie für KI-Systeme mit unterschiedlichem Grad an Intransparenz. So erleichtern diese Qualitätskriterien ein besseres Verständnis und eine effektivere Nutzung von erklärbarer KI. Außerdem ermöglichen sie es Organisationen, Prinzipien des Vertrauens und der Transparenz in ihre KI-basierten Anwendungen einzubetten. Sie bilden auch die konzeptionelle und prozedurale Grundlage für die Formulierung spezifischer Anforderungen an die Erklärbarkeit und den nachvollziehbaren Nachweis des technisch korrekten Betriebs.

Die DIN SPEC 92001-3 ist ein Ergebnis des KI.NRW Flagship-Projekts ZERTIFIZIERTE KI, welches das Fraunhofer IAIS gemeinsam mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und dem Deutschen Institut für Normung (DIN) sowie weiteren wissenschaftlichen Partnern und assoziierten Industriepartnern durchführt. Gefördert wird es vom Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen.

Dritter Teil einer Reihe
Die DIN SPEC schließt sich als dritter Teil einer Reihe von KI-Standards an, die bereits vor Beginn des Projektes ZERTIFIZIERTE KI entstanden sind. Die ersten beiden Dokumente in dieser Reihe – DIN SPEC 92001-1 und DIN SPEC 92001-2 – legen zum einen ein KI-Qualitäts-Metamodell und einen Lebenszyklus fest, um die allgemeinen KI-Qualitätskriterien Robustheit, Erklärbarkeit und Leistung hervorzuheben. Zum anderen werden Kriterien zur Sicherstellung der Robustheit von KI-Systemen spezifiziert. Auch sie stehen beim Beuth Verlag unter www.beuth.de zum kostenlosen Download bereit.

Titelbild/ Bildquelle: Bild von Gerd Altmann für pixabay

Quelle DIN e. V.