Samstag, Juni 22, 2024
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Smart-Protein-Konferenz: Es geht um die Hülsenfrucht

Warum die EU einen Aktionsplan für pflanzenbasierte Nahrungsmittel braucht – und Dänemark ein Vorbild ist

In Berlin hat das EU-geförderte Smart-Protein-Projekt Erkenntnisse aus vier Jahren Forschung zu pflanzenbasierten Nahrungsmitteln der nächsten Generation auf den Punkt gebracht: Die Europäische Union muss neue Wege finden, um die enormen Mittel ihrer Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) zu lenken, so die Erkenntnis – weg von der emissionsintensiven Tierhaltung und hin zur Herstellung klimafreundlicher Nahrungsmittel. Dabei könnte sie manches von Dänemark lernen.

In der Kulturbrauerei im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg war am 24. Mai 2024 einiges los: Für die Abschlusskonferenz des Smart-Protein-Projekts hatten sich unter anderem das Fraunhofer IME und Naturland sowie Hülsenfrucht-Experten wie die Roland Beans GmbH und Donau Soja angekündigt. Auch wissenschaftliche Teams der Universitäten Bozen, College Cork, Gent und Udine waren dabei. Das zog über 100 Konferenzteilnehmer an. „Gerade Hersteller wollten sich den Abschluss des Smart-Protein-Projekts nicht entgehen lassen”, beobachtete Jens Tuider, Internationaler Strategischer Leiter bei der Ernährungsorganisation ProVeg, welche die Konferenz ausgerichtet hat.

Angewandtes Wissen für ganz Europa

Unter dem Titel Smart Protein hat ein Konsortium aus 32 Institutionen aus 14 Ländern seit 2020 Expertise von der Pflanzenzucht bis zur Produktherstellung bereitgestellt und die Vielfalt nachhaltiger Proteinquellen von allen Seiten beleuchtet. Zu den Ergebnissen des Projekts zählen neben 24 wissenschaftlichen Artikeln auch vier Markt- und Verbraucherstudien, ein Policy Brief mit politischen Empfehlungen und nicht zuletzt 13 Merkblätter für Landwirte zum regionalen Anbau von Quinoa, Linsen, Ackerbohnen und Kichererbsen. Neun Online-Seminare fassen das Gelernte zusammen und sind als Aufzeichnungen verfügbar.

„Das Smart-Protein-Projekt hat konsequent einen anwendungsorientierten und internationalen Ansatz verfolgt – Wissen für ganz Europa, das sich direkt umsetzen lässt”, erläutert Tuider. Die Ernährungsorganisation hat insbesondere zu den Markt- und Verbraucherstudien und den politischen Empfehlungen beigetragen – und die Erkenntnisse europaweit verbreitet. Das kam an: Allein die länderspezifischen Verbraucherstudien zählen inzwischen mehr als 1.300 Downloads.

Der EU fehlt eine gezielte Strategie

Was sich aus der Projektarbeit anschaulich ableiten lässt, ist das Fehlen einer gezielten EU-Strategie zur Förderung pflanzenbasierter Nahrungsmittel. Dabei ist das Ernährungssystem ein mächtiger Hebel zur Reduktion der Treibhausgas-Emissionen. Das scheinen die Verbraucher besser verstanden zu haben als ihre politischen Vertreter.

Die Mehrheit der Menschen in Europa gibt an, inzwischen aktiv ihren Fleischkonsum zu reduzieren. Europaweit liegt der Anteil bei 51 Prozent.1 In Deutschland sind es sogar 59 Prozent, 8 Prozentpunkte mehr als noch im Jahr 2021.2 Die Verbrauchszahlen der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung bestätigen diese Entwicklung: Der Pro-Kopf-Fleischkonsum in Deutschland ist seit 2018 um 15 Prozent auf einen historischen Tiefstand von 51,6 Kilogramm gesunken.3

Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union (EU) fördert zu 80 Prozent tierische Nahrungsmittel, die besonders hohe Treibhausgas-Emissionen verursachen.4 5 Die größten Subventionen betreffen die Fleisch- und Milchviehhaltung.6 Die tierische Landwirtschaft ist in Deutschland für rund 70 Prozent der landwirtschaftlichen Emissionen verantwortlich.7 Ein Lichtblick am Himmel: Der Bundeshaushalt hat für 2024 erstmals 38 Millionen Euro für die Förderung pflanzlicher, präzisionsfermentierter und zellkultivierter Proteine und den nachhaltigen Umbau der Landwirtschaft bereitgestellt.

Im Widerspruch zur „Farm-to-Fork“-Strategie der EU ist der Betrag zur Förderung pflanzlicher Nahrungsmittel weiter gering. Die „Farm-to-Fork“-Strategie verlangt von der Landwirtschaft, pflanzliche Nahrungsmittel auf europäischem Boden zu erzeugen. Ihr vergleichsweise geringer Förderbetrag steht dem Ziel der Planungssicherheit für Landwirte, der nationalen Ernährungsstrategie und nicht zuletzt den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) entgegen.

Da ist was beispielhaft im Staate Dänemark

Die dänische Regierung hat Ende letzten Jahres einen Aktionsplan für pflanzliche Nahrungsmittel eingeführt. „Die Agrarpolitik der EU täte gut daran, sich am dänischen Vorbild zu orientieren”, erklärt Tuider. Ähnlich wie Deutschland hat Dänemark einen großen tierischen Landwirtschaftssektor mit hohen Treibhausgas-Emissionen.

Der dänische Aktionsplan sieht nun umfassende strategische Maßnahmen zur Stärkung des pflanzenbasierten Sektors vor: Berücksichtigt werden der pflanzenbasierte Konsum in öffentlichen Kantinen, die gezielte Ausbildung von Fachkräften, geeignete Exportaktivitäten, die Bereiche Produktion, Verarbeitung und landwirtschaftliche Rohstoffe sowie Forschung und Entwicklung.8 9 Damit könnte sich der Aktionsplan gar als Jobmotor erweisen: Sollte Dänemark einen Anteil von 1 bis 3 Prozent am Weltmarkt für pflanzenbasierte Nahrungsmittel erreichen, würden schätzungsweise 27.000 neue Arbeitsplätze entstehen. Das wären auch für Deutschland gute Aussichten.

Bild:ProVeg-Ernährungsexpertin Anna-Lena Klapp erläutert, wie nationale Ernährungsrichtlinien die Vielfalt nachhaltiger Proteinquellen auf unseren Tellern beeinflussen. (Bild: ProVeg)

Quelle:ProVeg International

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