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Nachhaltige Schwellenländerinvestements: Indien, Afrika und die Ukraine

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EM Schwellenländerinvestments
Foto von Euart MacKerron (Quelle: Aegon Asset Management)

Ein aktueller Marktkommentar von Euart MacKerron, Research Analyst bei Aegon Asset Management:

85 Prozent der Weltbevölkerung leben in Schwellenländern. Diese bieten zunehmend Chancen für nachhaltige und entwicklungsorientierte Investments. Anleger, die ihr Engagement im Hinblick auf ein oder mehrere Klima-, Nachhaltigkeits- oder Entwicklungsziele erhöhen möchten, um positive Veränderungen voranzutreiben, können gezielt über aufstrebende Unternehmensemittenten investieren. Dabei gibt es eine Reihe von Emittenten aus Schwellenländern, die das Potenzial haben, attraktivere Renditen zu bieten als ihre Pendants aus Industrieländern mit vergleichbarem Rating.

Auch wenn das investierbare Universum aus der Perspektive eines Anlegers mit spezifischen Klima-, Nachhaltigkeits- oder Entwicklungszielen variiert, lassen sich etwa 65 Mrd. US-Dollar an Technologie-, Medien- und Telekommunikationsanleihen sowie 90 Mrd. US-Dollar an nachhaltigen Instrumenten, die von Unternehmen ausgegeben werden, identifizieren. Das gibt einen Hinweis auf die Untergruppen der Investitionsmöglichkeiten.[1]

Indien: Kapazitäten erneuerbarer Energie bis 2030 verdreifachen

Eines der prominentesten Beispiele ist Indiens Ziel, den Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugungskapazität des Landes bis 2030 auf 50 % zu erhöhen, um die Emissionsintensität bis 2030 um 45 % gegenüber 2005 zu senken.2 Die Stromnachfrage wird bis 2026 voraussichtlich mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 6 % steigen, und das Land steht vor der Herausforderung, seine historische Abhängigkeit von der Verbrennung thermischer Brennstoffe (etwa 76 % der Stromerzeugung 2023-24) zu verringern, um das gestiegene Verbrauchsvolumen zu decken.3

Die Investitionen in erneuerbare Stromerzeugungskapazitäten sind in Indien rasch gestiegen, unterstützt durch staatliche Subventionen und günstige Tarifregelungen, die darauf abzielen, die derzeitige Kapazität erneuerbarer Energien bis 2030 auf 500 Gigawatt nahezu zu verdreifachen. Das Wachstum hing jedoch auch von der Unterstützung durch den Privatsektor ab, der mindestens 90 % des Kapazitätsausbaus übernommen hat und in der Regel fremdfinanziert ist.4 Wir schätzen den Nominalwert der ausstehenden Anleihen auf rund USD 8,5 Mrd. und gehen davon aus, dass dieser Wert weiter steigen wird.5 Der Sektor war nicht immun gegen negative Schlagzeilen.

Der Sektor war zwar nicht immun gegen die Risiken der Schlagzeilen, aber insgesamt scheint das Betriebsregime für langfristige Investoren konstruktiv zu sein, und aus der Sicht der Unternehmensführung sind einige Anleiheemittenten durch abgeschottete Strukturen, die Präsenz ausländischer Vermögensfonds und große Beteiligungen im Energiesektor gut abgesichert. Diese Kombination kann globalen Anlegern relativ attraktive kurz- und langfristige Anleihen bieten. Neben dieser großen Volkswirtschaft sehen wir auch Chancen für Investitionen in erneuerbare Energien in den Schwellenländern Europas und Mittelamerikas, wo die hydrologischen Bedingungen für Investitionen in einen Sektor ähnlich günstig sind, der im Vergleich zu den traditionellen Öl- und Gasunternehmen weniger zyklisch ist.

Stromsektor in Indien: Kumulatives Erzeugungswachstum und Anteil erneuerbarer Energien
an der Stromerzeugung

Schwellenländerinvestments
Quelle: Indisches Ministerium für Energie. Erneuerbare Energien einschließlich großer Wasserkraftwerke. Laufzeit bis zum 31. März 2024.

Afrika und Südasien: Mobilfunknetz und Datenabdeckung

In den Frontier-Märkten, insbesondere in den Ländern Afrikas und Südasiens, ist die Mobilfunk- und Datenabdeckung noch deutlich geringer als in den weiter entwickelten Ländern. So liegt die 4G-Abdeckung in den Ländern des asiatisch-pazifischen Raums bei 96 %, in den afrikanischen Ländern dagegen nur bei 50 %.[2]6 Noch deutlicher sind die Unterschiede, wenn die Zahlen nach ländlichen und städtischen Gebieten aufgeschlüsselt werden: In Afrika liegt die 4G-Abdeckung in ländlichen Gebieten bei 25 %, in städtischen Gebieten dagegen bei
84 %.

Für Investoren bieten sich hier Chancen, von einer im Vergleich zu den relativ gesättigten westlichen Märkten robusteren Nachfrage zu profitieren und gleichzeitig Telekommunikations- und Infrastrukturunternehmen bei ihren Bemühungen zu unterstützen, die Netzabdeckung insbesondere in ländlichen Gebieten auszuweiten. Untersuchungen haben gezeigt, dass ein enger Zusammenhang zwischen der Mobilfunkverbreitung und dem Pro-Kopf-BIP besteht. Eine Studie kam zu dem Ergebnis, dass ein Anstieg der mobilen Breitbandverbreitung um 10 % zu einem Anstieg des Pro-Kopf-BIP um 2,5 % bis 2,8 % führt.7 Eine höhere Mobilfunkverbreitung könnte nicht nur die Produktivität steigern und zum Gesamt-BIP einer Volkswirtschaft beitragen, sondern auch dazu beitragen, abgelegene Bevölkerungsgruppen an die Märkte anzuschließen, den Zugang der Bürger zu sozialen Diensten zu verbessern und die Bildungschancen zu erhöhen.

Darüber hinaus wird diese Infrastruktur in einigen Fällen zunehmend mit umweltfreundlicheren Stromerzeugern (Solar- oder Hybridanlagen) betrieben, anstatt mit Dieselgeneratoren, die in ländlichen Gebieten aufgrund der schlechten Netzzuverlässigkeit häufig zum Einsatz kommen, was sich sowohl positiv auf die Entwicklung als auch auf das Klima auswirkt. Der Nominalwert der in Frage kommenden Anleihen wird auf etwa 10,8 Mrd. US-Dollar geschätzt, und auch dieser Sektor erscheint im Vergleich zu ähnlich rentablen, aber zyklischeren Rohstoffkrediten attraktiv.8

 

Prozentualer Anteil der Internetnutzer weltweit und Kaufkraftparität BIP pro Kopf, in US-Dollar

Schwellenländerinvestments
Quelle: World Bank Open Data. Stand der Daten: 31. Dezember 2021.

Ukraine: Ein nachhaltiger Wiederaufbau

Vor dem Krieg in der Ukraine mussten die Stahlwerke des Landes modernisiert werden, damit ihre Exporte den Dekarbonisierungsvorschriften der Europäischen Union entsprechen. So schätzte der CEO des Bergbau- und Metallunternehmens Metinvest in einem Interview kürzlich die Kosten für die künftige umweltfreundliche Umgestaltung der Anlagen des Unternehmens, die größtenteils noch aus der Sowjetzeit stammen, auf 9 Mrd. US-Dollar. [3]9 Dies ist nur ein Beispiel aus dem Industriesektor, das zusammen mit einem breiteren Investitionsbedarf im Eisenbahnnetz und in der Stromerzeugung die Schlüsselrolle unterstreicht, die ausländische Investoren bei der Unterstützung nachhaltiger Initiativen in der gesamten Ukraine während der umfangreichen Wiederaufbaubemühungen spielen müssen, deren Kosten bereits auf 486 Mrd. US-Dollar und mehr geschätzt werden. [4]10

Bei herkömmlichen Staatsanleihen, bei denen die Verwendung der Erlöse viel breiter angelegt sein kann, könnten Anleger hingegen Bedenken hinsichtlich der Nachhaltigkeitsorientierung haben. Die zunehmende Emission von Staatsanleihen mit Sozial- und Nachhaltigkeitssiegeln, bei denen die Verwendung der Erlöse spezifiziert wird, kann dieses Unbehagen etwas mildern, aber derzeit wird der Markt weitgehend von China, Korea, Chile und anderen Ländern mit hohem Rating dominiert. Ägypten beispielsweise ist bislang das einzige Land auf dem afrikanischen Kontinent, das eine solche Anleihe mit Zweckbindung emittiert hat. Ein gezielter sektoraler Fokus im Bereich der Unternehmensanleihen – wie bei den oben genannten afrikanischen Unternehmen – kann Anlegern einen konkreteren Zugang zu Anleihen bieten, die auf ihre eigenen Klima-, Nachhaltigkeits- oder Entwicklungsziele ausgerichtet sind.

 

Nachhaltige Schwellenländerinvestements: Indien, Afrika und die Ukraine

Foto von Euart MacKerron (Quelle: Aegon Asset Management)

[1] Die Zahlen basieren auf dem JP Morgan Corporate EMBI Global Diversified Index, ohne China, Hongkong, Korea und Singapur. Nennwerte ausstehender Anleihen mit einer Restlaufzeit von mindestens 6 Monaten und einem Umlaufvolumen von mindestens 300 Mio. USD. zum 14. Mai 2024.

2 Kaushik Deb und Noyna Roy, „COP28: Assessing India’s Progress against Climate Goals“, Center on Global Energy Policy an der Columbia University | SIPA, 1. Dezember 2023.

3 „India Sees Higher Peak in Electricity Demand as Power Consumption Surges,“ Business Standard, February 26, 2024.

4 Vibhuti Garg, “Renewable Energy | Private Sector | View: Private Sector Driving Renewable Energy Wave in India,” The Economic Times, 9. April, 2022.

5 Die Zahlen basieren auf dem JP Morgan Corporate EMBI Global Diversified Index. Nennwerte der ausstehenden Anleihen mit einer Restlaufzeit von mindestens 6 Monaten und einem ausstehenden Betrag von mindestens 300 Mio. USD. zum 14. Mai 2024.

6 „Fakten und Zahlen 2022 – Mobilfunknetzabdeckung“, Website der Internationalen Fernmeldeunion. Abgerufen am 13. Mai 2024.

7 „Economic import of broadband in LDC, LLCs and SIDS: Eine empirische Studie,“ International Telecommunication Union Publications, 2019.

8 Die Zahlen basieren auf dem JP Morgan Corporate EMBI Global Diversified Index, unter Hinzufügung von VEON-Anleihen. Nennwerte der ausstehenden Anleihen mit einer Restlaufzeit von mindestens 6 Monaten und einem ausstehenden Betrag von mindestens 300 Mrd. US-Dollar. zum 14. Mai 2024.

9 Forbes Ukraine Interview mit Metinvest-CEO Yuriy Ryzhen, Metinvest-Website, 20. Dezember 2023.

10„Updated Ukraine Recovery and Reconstruction Needs Assessment Released,“ Pressemitteilung der Europäischen Kommission, 15. Februar 2024.

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Geheimdienste kaufen Informationen von kommerziellen Datenhändlern

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Cookie-Hinweis (Archiv), via dts NachrichtenagenturBerlin (dts Nachrichtenagentur) – Internationale Geheimdienste kaufen immer öfter Informationen von Datenhändlern ein. Das legt eine neue Analyse der renommierten Berliner Denkfabrik „Stiftung Neue Verantwortung“ nahe, über die der „Spiegel“ berichtet.

Diese „Informationsbeschaffung mit der Kreditkarte“ ermögliche den Diensten neue Zugänge zu „hochsensiblen Informationen“ wie politischen Überzeugungen, Gesundheits- und Standortdaten, bis hin zu kompletten Bewegungsprofilen. Eine besonders ergiebige und damit kritische Quelle seien Daten aus der Onlinewerbung.

„Wir haben belastbare Hinweise darauf, dass auch deutsche Dienste diese Daten einkaufen“, sagte Mitautor Corbinian Ruckerbauer dem Nachrichtenmagazin. Anders als etwa in den USA gebe es hier bislang weder einschlägige Regeln noch eine wahrnehmbare Kontrolle. Aktuell sei daher „die Missbrauchsgefahr sehr hoch“, es brauche dringend Standards und Beschränkungen.

Die Autoren machen dafür konkrete Vorschläge und weisen auf die von der Ampel angekündigte Reform des Nachrichtendienstrechts hin. „Das wäre eine naheliegende Möglichkeit, Regeln für den Einkauf und den Umgang mit diesen Daten einzuführen“, so Ruckerbauer.


Foto: Cookie-Hinweis (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Foto/Quelle: dts

MAD prüft Verbindungen zu rechtsextremer "Identitärer Bewegung"

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Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Der Militärische Abschirmdienst (MAD) der Bundeswehr prüft aktuell mehrere Personen, die in Verbindung zur rechtsextremen „Identitären Bewegung“ (IB) stehen sollen. Das geht aus der Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linkengruppe im Bundestag hervor, über die das „Handelsblatt“ berichtet. Es geht um „eine mittlere zweistellige Zahl an Verdachtspersonen“, heißt es in dem Dokument. Nähere Angaben zu den Verdachtspersonen, ob es sich etwa um ehemalige oder aktive Bundeswehrangehörige handelt, wurden nicht gemacht.

Der SPD-Innenpolitiker Sebastian Hartmann sagte dem „Handelsblatt“, gerade auch in der Bundeswehr müsse eine „Null-Toleranz-Politik“ gelten. „Jeder Extremist in der Truppe ist hier einer zu viel.“ Der Grünen-Innenpolitiker Marcel Emmerich verlangte ein entschlossenes Vorgehen gegen „Verfassungsfeinde“. „Sie sind nicht nur eine Gefahr für unsere Sicherheit, sondern beschädigen auch das Ansehen von Polizei und Bundeswehr und das Vertrauen in unsere Institutionen.“ Der CDU-Sicherheitspolitiker Roderich Kiesewetter forderte eine rasche und gründliche Aufklärung der Prüffälle. „Wer Teil der Identitären Bewegung ist, kann nicht gleichzeitig unseren Staat in der Bundeswehr verteidigen.“

Die FDP-Politikerin Agnes Strack-Zimmermann kritisierte das zögerliche Vorgehen der Bundeswehr im Fall des AfD-Abgeordneten Hannes Gnauck, dem der Bundestag jüngst die Immunität entzogen hatte. Gnauck ist Bundesvorsitzender der AfD-Jugendorganisation, die teils enge Kontakte zur „Identitären Bewegung“ pflegt. Es sei „schwer nachzuvollziehen, ja ärgerlich“, dass sich die zuständigen Bundeswehrermittler jetzt erst entschieden hätten, ein formelles Disziplinarverfahren gegen Gnauck einzuleiten, um den Fall dann vor einem Truppendienstgericht zu verhandeln. „Mal sehen, was dabei so alles herauskommt. Möglicherweise auch, mit wem er so in Verbindung stand und noch steht“, sagte die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses.


Foto: Demo der „Identitären Bewegung“ (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Foto/Quelle: dts

Erneuerbare Energie: Was Anleger jetzt beachten sollten

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Energie
Foto von Christian Rom (Quelle: DNB Asset Management)

Ein aktueller Marktkommentar von Christian Rom, Portfoliomanager bei DNB Asset Management:

Der Sektor Erneuerbare Energie ist in den letzten Jahrzehnten sehr stark gewachsen. Was als kleine Nische mit hohen Kosten begann, die von einer begrenzten Zahl von Unternehmen abgedeckt wurde und sich an eine spezialisierte Gruppe von Stakeholdern richtete, hat sich zu einem äußerst wettbewerbsfähigen Sektor entwickelt. Mittlerweile machen Cleantech-Investitionen inzwischen zwei Drittel der weltweiten Energieinvestitionen aus. Diese Investitionen fördern einen starken Trend zur Elektrifizierung. Der Wettbewerb hat dabei zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen in Teilsektoren wie der Solar- und der Windbranche geführt.

80 % des Solarsektors werden von China bedient, während der größte Teil des globalen Windsektors (ohne China) von einigen wenigen westlichen Akteuren bedient wird. Auch der Ressourceneffizienz wird mehr Aufmerksamkeit gewidmet, da die bisher vorherrschende Mentalität des Benutzens und Wegwerfens nicht für eine Netto-Null-Emissionswelt geeignet ist. Alles in allem handelt es sich um einen Sektor mit einem hohen Umsatzwachstum. Allerdings muss ein hohes Ertragswachstum nicht unbedingt zu einem Shareholder Value führen. Um den Aktienwert langfristig zu steigern, müssen die Unternehmen einen Mehrwert schaffen, indem sie etwas Einzigartiges auf den Markt bringen.

Sektor funktioniert auch mit höheren Zinssätzen

Höhere Zinssätze haben sich in den letzten Jahren auf den Sektor ausgewirkt. Dadurch sind die Kosten für Strom aus erneuerbaren Energien gestiegen. Trotzdem wird der Sektor auch bei diesem neuen Zinsniveau weiter wachsen, da die relative Wirtschaftlichkeit der erneuerbaren Energien und der Wunsch der Stakeholder, Emissionen zu reduzieren, um die negativen Auswirkungen des Klimawandels auf die globale Gesellschaft zu vermeiden, eine Rolle spielen. Dies wird durch die Tatsache belegt, dass Unternehmen weltweit in den letzten 12 Monaten mehr Verträge für neue Ökostromanlagen unterzeichnet haben als je zuvor. Auch die Regierungen kaufen weiterhin erneuerbare Energien zu höheren Preisen, wie die jüngsten Auktionen für erneuerbare Energien in den USA, in Großbritannien, Deutschland und vielen anderen Ländern zeigen, weil die Länder weiterhin hinter ihren Dekarbonisierungszielen zurückbleiben.

Die Nachfrage scheint sich daher trotz höherer Zinssätze gut zu halten, da das Thema der säkularen Elektrifizierung weiter anhält Auch beim Thema Refinanzierungskosten sehen wir eher ein geringes Risiko. Ein großer Teil der Schulden im Zusammenhang mit diesen Projekten für erneuerbare Energien wird mit langfristigen Festzinskrediten finanziert, die sich über die Vertragslaufzeit amortisieren. Zudem gibt es oftmals einen Inflationsschutz, das heißt, die Einnahmen steigen während der Vertragslaufzeit stärker als die Zinskosten. Neuere Verträge werden zu einem Preisniveau abgeschlossen, die den höheren Finanzierungskosten Rechnung tragen.

Unternehmen mit starker Position in Nischenmärkten

Wir sehen die US-Wahlen als weniger kritisch für den Sektor an, da die letzten Jahre eine starke parteiübergreifende Unterstützung für den Sektor gezeigt haben. Die positiven Auswirkungen der Schaffung neuer Arbeitsplätze und der Konjunkturbelebung infolge der Inflationsbekämpfung sind in republikanischen wie in demokratischen Bundesstaaten gleichermaßen spürbar. Darüber hinaus darf nicht vergessen werden, dass die meisten Investitionsentscheidungen in den USA von den Unternehmen und den Bundesstaaten und nicht von der Bundesregierung getroffen werden.

Eine größere Herausforderung sehen wir in den Auswirkungen der von China vorangetriebenen Kommodifizierung auf bestimmte Bereiche unseres Anlageuniversums. Für Anleger ist es jedoch wichtig zu wissen, dass der Fonds weit mehr bietet als Solar-, Wind- und Batteriefabriken. Ressourceneffizienz ist ein Bereich, in dem wir viele interessante Anlagemöglichkeiten finden. Es wird immer billiger sein, eine Energieeinheit einzusparen, als eine neue zu erzeugen, und es gibt viele Möglichkeiten, eine Energieeinheit einzusparen. In diesem Bereich haben wir zahlreiche interessante Unternehmen identifiziert, die eine starke Position in ihren jeweiligen Nischenmärkten einnehmen und ein sehr gutes Wertversprechen für langfristiges, profitables Wachstum haben.

Ein Beispiel ist Novonesis, der weltweit führende Anbieter von Enzymen und Bakterien. Mit diesen kann eine breite Palette von Endprodukten – von Waschmitteln bis hin zu Biokraftstoffen – ressourceneffizienter und nachhaltiger gemacht werden. Weitere Beispiele für gut positionierte Unternehmen sind Kingspan, das energieeffiziente Dämmlösungen für Gebäude anbietet, NIBE, das mit seinen Wärmepumpen energieeffizientes Heizen ermöglicht, und Darling, ein führender Hersteller von Biodiesel, der für die Dekarbonisierung schwer abbaubarer Sektoren wie schwere Nutzfahrzeuge und Flugzeuge benötigt wird.

Erneuerbare Energie: Was Anleger jetzt beachten sollten

Foto von Christian Rom (Quelle: DNB Asset Management)

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Lauterbach will vulnerable Gruppen besser vor Hitze schützen

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Sonnenbaden auf einer Wiese (Archiv), via dts NachrichtenagenturBerlin (dts Nachrichtenagentur) – Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) will vulnerable Gruppen besser vor Hitze schützen. „Der Klimawandel wird Hitzeschutz zu einem Dauerproblem machen“, sagte er am Freitag in Berlin bei der Vorstellung des Hitzeschutzplans.

„Darauf muss Deutschland systematisch vorbereitet werden. Sonst sterben in jedem Sommer Tausende Bürger unnötigerweise“, fügte er hinzu. „Gesundheitliche Folgen haben hohe Temperaturen besonders für Ältere, Kranke und Menschen im Freien.“

Die Empfehlungen der Hitzeschutzkonferenz sehen unter anderem die Benennung einer verantwortlichen Person für den Hitzeschutz und die Erstellung eines Hitzeschutzplans vor. Außerdem befassen sie sich mit der Aufklärung und angepassten Versorgung von Patienten.


Foto: Sonnenbaden auf einer Wiese (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Foto/Quelle: dts

Ende von Steuerprivileg für Reeder könnte Haushaltslöcher stopfen

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Schiff in einer Werft (Archiv), via dts NachrichtenagenturBerlin (dts Nachrichtenagentur) – Die Bundesregierung lässt sich durch Steuerprivilegien für Reedereien Milliardeneinnahmen entgehen. Dabei könnten diese „einen substanziellen Beitrag zur Haushaltskonsolidierung“ leisten, steht in einem unveröffentlichten Bericht des Bundesrechnungshofs, über den der „Spiegel“ berichtet.

Die Tonnagesteuer erlaubt es Reedereien, ihre Gewinne anhand der Ladekapazität des Schiffs zu ermitteln, statt auf Basis der tatsächlichen Erträge. Laut Rechnungshof ist „schwer vermittelbar“, dass die Steuerlast damit „weit unter einem Prozent“ liegen könne. Die Mindereinnahmen seien von der Regierung lange zu niedrig angegeben und im letzten Subventionsbericht stark nach oben korrigiert worden – auf 11,1 Milliarden Euro allein im Jahr 2022.

Trotz Tonnagesteuer und weiterer Privilegien sei die Zahl der Schiffe und Seeleute in Deutschland gesunken, kritisiert der Rechnungshof. Die Regierung müsse die Subventionen begrenzen. Das Finanzministerium weist die Forderung zurück. Linken-Politikerin Gesine Lötzsch sagte, Ressortchef Christian Lindner (FDP) könne das Haushaltsloch „ohne eine soziale Grausamkeit stopfen“, indem er „die ungerechtfertigten Subventionen“ abbaue.


Foto: Schiff in einer Werft (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Foto/Quelle: dts

Analyse: Konsum und Staatsausgaben stützen das US-Wachstum

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Industrie Konsum
Foto von Blerina Uruçi (Quelle: T. Rowe Price)

Die aktuelle Analyse der US-Wirtschaft von Blerina Uruçi, US Chef-Ökonomin bei T. Rowe Price:

Das Wirtschaftswachstum in den USA hat das anderer Industrieländer in letzter Zeit übertroffen. Im Jahr 2023 wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den USA um 2,5 %. Zur selben Zeit wuchs die kanadische Wirtschaft mit 1,1 % weniger als halb so schnell. Die Wachstumsleistung in Großbritannien und im Euroraum war im Vergleich dazu sogar noch schwächer. Der US-Verbraucher hat das Wachstum weiter angetrieben, unterstützt durch einen starken Arbeitsmarkt. Die Zahl der offenen Stellen ist nach wie vor hoch und die Fluktuation gering, da die Unternehmen nach den extremen Schwierigkeiten bei der Einstellung von Talenten in den letzten zwei Jahren an ihren Mitarbeitern festgehalten haben. Ein unterschätzter Faktor war jedoch die Steuerpolitik.

Die Steuerausgaben machten im vergangenen Jahr fast 30 % des US-Wachstums aus, wobei die Ausgaben sowohl auf Bundes- als auch auf Staatsebene recht kräftig ausfielen. Nach übereinstimmenden Prognosen wird sich das überdurchschnittliche Wachstum in den USA mittelfristig fortsetzen, angetrieben von einem ähnlichen Cocktail aus unterstützender privater und staatlicher Nachfrage. Die Divergenz zu anderen Volkswirtschaften wird sich voraussichtlich abschwächen, bleibt aber bemerkenswert, insbesondere in Bezug auf Europa.

Wachstumsprognosen für die Industrieländer

Konsum

Die Kerninflation bei den Dienstleistungen in den USA hat sich nicht verändert

Die Inflation hält länger an

Eine Folge der überdurchschnittlichen Wachstumsleistung sind langsamere Fortschritte bei der Eindämmung der Inflation als in anderen Volkswirtschaften. Während sowohl die Kerninflation bei Waren als auch bei Dienstleistungen gegenüber ihren Höchstständen deutlich zurückgegangen ist, haben sich die Kernkomponenten bei den Dienstleistungen in den USA hartnäckig gehalten. Die starke Verbrauchernachfrage hat es den Unternehmen ermöglicht, die höheren Inputkosten weiterzugeben und gleichzeitig die Gewinnspannen zu schützen.

Darüber hinaus haben die steigenden Lebenshaltungskosten die Arbeitnehmer bis zu einem gewissen Grad dazu veranlasst, erfolgreich höhere Löhne auszuhandeln (die jüngsten Lohnzuwächse der Gewerkschaften sind ein Paradebeispiel dafür) oder zu kündigen, um anderswo bessere Perspektiven zu finden. Das Ergebnis ist ein starkes Gesamtlohnwachstum, auch wenn der kumulierte Lohnanstieg seit der Pandemie weiterhin hinter dem Anstieg der Verbraucherpreise zurückbleibt.

 Unterschiedliche Erwartungen an die Geldpolitik…

Aufgrund der Divergenzen bei den Wachstums- und Inflationsaussichten haben die Märkte in den USA ganz andere geldpolitische Pfade eingepreist als anderswo. Es wird nicht erwartet, dass die US-Notenbank die Zinsen vor dem vierten Quartal 2024 senkt, und die gewichtete Wahrscheinlichkeit verschiedener Zinspfade deutet auf weniger als zwei Zinssenkungen im Jahr 2024 hin. Im Vergleich dazu erwarten die Märkte, dass die Europäische Zentralbank im Juni, die Bank of Canada im Juli und die Bank of England im August mit der Lockerung der Geldpolitik beginnen werden. Auch wenn einige dieser Abweichungen durch die jüngsten Daten gerechtfertigt sein mögen, ist das derzeitige Marktgeschehen von einem sehr fragilen Gleichgewicht geprägt.

…könnte sich schnell ändern

Die jüngste Verlangsamung des BIP- und Beschäftigungswachstums in den USA deutet darauf hin, dass die Outperformance der USA nachlassen könnte. Es ist auch möglich, dass die US-Daten über das Beschäftigungswachstum hinaus durch günstige saisonale Elemente im ersten Quartal begünstigt wurden, was bedeutet, dass die Inflation in naher Zukunft ebenfalls zurückgehen könnte. Dadurch könnte sich die Marktmeinung schnell in Richtung einer weniger expansiven Geldpolitik in den USA verschieben, wodurch sich die Preisdifferenz zu anderen Industrieländern teilweise auflösen würde. Es ist auch möglich, dass sich der offensichtliche Stillstand der US-Inflation im ersten Quartal im weiteren Verlauf des Jahres auf andere Volkswirtschaften auswirken könnte. Die Wirtschaft des Vereinigten Königreichs sticht als möglicher Kandidat für eine stärkere Dienstleistungsinflation hervor, da die Anspannung auf dem Arbeitsmarkt größtenteils auf ein mangelndes Arbeitskräfteangebot zurückzuführen ist.

Die Märkte mögen weiterhin einen flacheren Zinssenkungspfad für die USA einpreisen, aber es gibt einen gemeinsamen Faktor für alle vier Volkswirtschaften, der wahrscheinlich bestehen bleiben wird. Das prognostizierte Zinsniveau in zwei Jahren liegt deutlich über den vor der Pandemie geltenden Sätzen. Der Konsens ist, dass die Zinsen länger steigen werden, was wahrscheinlich auf eine Kombination aus robustem Wachstum und stärkerer Inflation angesichts des starken Zinsanstiegs seit 2022 zurückzuführen ist. Wenn diese Vorhersage zutrifft, werden die Zentralbanken in der nächsten Rezession weniger wahrscheinlich an der Null-Linie festhängen und könnten die Bilanzpolitik weniger enthusiastisch einsetzen.

Längerfristige Divergenz könnte sich fortsetzen

Mittelfristig wird die Ausnahmestellung der USA wahrscheinlich weiter bestehen. Ein Faktor könnte die Dynamik des Arbeitsmarktes sein, die durch die jüngste Erholung des Angebots an Spitzenverdienern ausgelöst wird. Ein positiver Schock auf der Arbeitsangebotsseite in dieser Größenordnung wird sich wahrscheinlich durch eine stärkere Gesamtnachfrage nach Waren und Dienstleistungen auszahlen und gleichzeitig einige der akuten Arbeitsmarktengpässe, die sich während der Pandemie gebildet haben, abmildern.

Ein weiterer Faktor, der die Wachstumsaussichten in den USA stützt, ist das Fortbestehen der Steuer- und Industriepolitik. Nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) wird das Primärdefizit in den USA im Verhältnis zum BIP deutlich größer ausfallen. Dies könnte in Verbindung mit einem stärkeren Investitionswachstum und Fortschritten bei der künstlichen Intelligenz (KI) nicht nur die Produktion, sondern auch die Produktivität ankurbeln, die in den USA seit über einem Jahrzehnt enttäuschend ist.

Auch wenn sich die Marktmeinung kurzfristig in Richtung einer weniger günstigen Tendenz für die US-Wirtschaft verschieben könnte, dürfte das Wachstum in den USA mittelfristig aus strukturellen Gründen stärker ausfallen als in anderen Industrieländern, u. a. wegen des hohen Arbeitskräfteangebots und der Investitionen in die technologische Fertigung und grüne Energie sowie in die künstliche Intelligenz.

Infolgedessen dürften auch höhere Zinsen für längere Zeit nicht nur angemessen, sondern auch nachhaltig sein. Ein größeres Haushaltsdefizit kann in den USA durch höhere Laufzeitprämien zu höheren Zinssätzen beitragen, da die Anleger angesichts der erhöhten Unsicherheit über die künftigen Schuldenlasten und die Inflationsaussichten, die große Haushaltsdefizite mit sich bringen, einen größeren Ausgleich verlangen.

Analyse: Konsum und Staatsausgaben stützen das US-Wachstum

Foto von Blerina Uruçi (Quelle: T. Rowe Price)

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Video von Nazi-Parolen auf Sylter Feier löst Empörung aus

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Häuser auf Sylt (Archiv), via dts NachrichtenagenturKampen (dts Nachrichtenagentur) – Ein Video, in dem junge Menschen vor einem Lokal auf der Nordseeinsel Sylt rassistische Parolen singen, hat große Empörung ausgelöst.

In dem Clip skandieren Partygäste zu Musik „Ausländer raus“ und „Deutschland den Deutschen“. Zudem ist ein Mann zu sehen, der sich mit den Fingern an die Oberlippe greift und den Hitlergruß andeutet. Die Aufnahme wurde offenbar von einer der Feiernden angefertigt.

Die Betreiber des Lokals sagten nach Bekanntwerden des Videos, sie seien „tief schockiert“. „Wir distanzieren uns von jeder Art von Rassismus und Diskriminierung.“ Zudem kündigte das Lokal Hausverbote sowie strafrechtliche Konsequenzen an.

Auch Mitglieder der schleswig-holsteinischen Landesregierung zeigten sich entsetzt über das Video. Schleswig-Holsteins Integrationsministerin Aminata Touré (Grüne) sagte dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“: „Das ist kein dummer Jungenstreich, sondern schlimmstes Nazi-Gegröle erwachsener Leute auf offener Bühne. Widerwärtig und ekelhaft. Schämen sollten sie sich. Jetzt müssen strafrechtliche Ermittlungen folgen“, forderte Touré.

„Die Bilder dieser Party, auf der ausländerfeindliche Parolen gegrölt wurden, widern mich an“, sagte Landesbildungsministerin Karin Prien (CDU) dem RND. Die Bilder seien „ein Zeichen von Wohlstandsverwahrlosung“. Prien fügte hinzu: „In Schleswig-Holstein ist kein Platz für Ausländerfeindlichkeit. Ich freue mich, dass die Bar, in der diese Videos gemacht wurden, die Polizei bei den Ermittlungen unterstützen und den Grölenden Hausverbot erteilen will.“

Das Fachkommissariat für Staatsschutz der Polizeidirektion Flensburg ermittelt wegen Volksverhetzung und des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.


Foto: Häuser auf Sylt (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Foto/Quelle: dts

Unglück auf Mallorca: Zwei Deutsche unter Todesopfern

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Spanische Polizei (Archiv), via dts NachrichtenagenturPalma de Mallorca (dts Nachrichtenagentur) – Unter den vier Todesopfern beim Einsturz eines Restaurantgebäudes auf Mallorca befinden sich auch zwei deutsche Urlauberinnen. Sie seien 20 und 30 Jahre alt gewesen, teilte die Polizei in Palma de Mallorca am Freitag mit.

Bei den übrigen beiden Toten handele es sich demnach um eine 23 Jahre alte Spanierin und einen 44-jährigen Mann aus dem Senegal. Den Polizeiangaben zufolge wurden 16 Personen mit Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. Sieben von ihnen seien in kritischem Zustand. Die neun restlichen seien alle schwer verletzt, aber außer Lebensgefahr, so die Polizei.

Am Donnerstagabend war auf der Balearen-Insel direkt am Strand des als Touristenhochburg bekannten Badeortes El Arenal der erste Stock des zum „Medusa Beach Club“ gehörenden Gebäudes bis in den Keller eingebrochen. Nach einer ersten Überprüfung könne die Überlastung des Stockwerks eine mögliche Ursache für den Einsturz gewesen sein, hieß es von der Feuerwehr.


Foto: Spanische Polizei (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Foto/Quelle: dts

Ifo: Neuzuteilung von Wahllokalen reduziert Wahlbeteiligung

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Wahllokal (Archiv), via dts NachrichtenagenturMünchen (dts Nachrichtenagentur) – Die Neuzuteilung von Wahllokalen hat zu einem Rückgang der Wahlbeteiligung um 0,4 Prozentpunkte geführt. Das ist das Ergebnis einer am Freitag veröffentlichten Analyse des Ifo-Instituts bei Wahlen in München.

„München hat in der Vergangenheit wiederholt Wahllokale umsortiert, mit dem Ziel, den Wahlvorgang für die Bürgerinnen und Bürger zu vereinfachen – etwa durch die Bereitstellung barrierefreier Wahllokale oder die Anpassung von Stimmbezirken. Dies führte in den betroffenen Bezirken jedoch zu einem Rückgang der Wahlbeteiligung und einer Verschiebung von der Urnen- zur Briefwahl“, sagte Ifo-Forscher Jean-Victor Alipour. Viele bemerkten die Umstellung beim ersten Mal zu spät, um noch auf Briefwahl umzustellen. Der Rückgang sei aber nur vorübergehend.

„Wenn Menschen durch die Neuzuteilung einen längeren Weg zum Wahllokal haben, sinkt die Wahlbeteiligung stärker. Jedoch sind die Effekte vor allem von der Änderung des Wahllokals selbst und weniger von der Entfernung getrieben“, sagte Alipour. Besonders auffällig seien die Verluste in Stimmbezirken mit einem hohen Anteil älterer Menschen.

Die Forscher empfehlen, betroffene Wahlberechtigte separat von der Wahlbenachrichtigung über Änderungen des Wahllokals zu informieren. „Diese Praxis ist zum Beispiel in vielen US-Staaten gesetzlich vorgeschrieben. Wenn alle rechtzeitig informiert werden, kann der Stimmverlust an der Urne vollständig durch die Briefwahl ausgeglichen werden“, so Alipour. Die Studie zeigt zudem, dass Wahlergebnisse in der Vergangenheit nicht messbar von Wahllokaländerungen beeinträchtigt wurden.

Die Forscher untersuchten die Neuzuteilungen der Stimmbezirke durch das Münchner Wahlamt. Sie betrachteten dabei acht Wahlen zwischen 2013 und 2020. Insgesamt wurden 58 Prozent aller Wohnadressen mindestens einmal einem neuen Wahllokal zugeteilt.


Foto: Wahllokal (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Foto/Quelle: dts